Wagerswiler Dorfladen droht die Schliessung

Auf Ende März soll der Dorfladen in Wagerswil geschlossen werden. Die Besitzer Alfred und Maria Peter hoffen, dass es mit einem neuen Verkaufskonzept weitergeht.
09. Februar 2010, 01:04
Manuela Olgiati

Wagerswil. Als kleiner Bub kaufte Alfred Peter im Dorfladen von Wagerswil bei Frau Storrer für seine Mutter ein. Er erinnert sich noch gut, dass hinter dem Korpus Säcke mit Mehl standen. Damals wurde alles offen verkauft. Fast alle Dorfbewohner waren Bauern und Selbstversorger. Als Familie Storrer Haus und Laden an die Familie Meister verkaufte, führte deren Tochter, Klara Thörig-Meister, den kleinen Kolonialwarenladen mit einem vielfältigen Sortiment an Spielwaren, Eisenwaren wie Nägel und selbstgenähten Kleidern weiter.

«Kämpferisch» verhandelt

Das Nähen, der Laden und die kleine Landwirtschaft sicherten der Familie das Einkommen, erzählt Alfred Peter. Die Lebensmittel waren in der Kriegszeit nur in kleinen Mengen erhältlich. Mit dem Fahrrad fuhr Klara Thörig-Meister nach Frauenfeld, um mit den Behörden «kämpferisch» zu verhandeln. Weil die Töchter das Geschäft nicht weiterführen wollten, drängte sich der Verkauf des Ladens auf. Das war vor über 30 Jahren. 1980 kauften Maria und Alfred Peter die Liegenschaft, ein Riegelbau mit dem Laden an der Hauptstrasse in Wagerswil.

Mit den neuen Besitzern begann eine Umbauphase. Die Scheune und der Stall wurden zur Ladenverkaufsfläche und 1982 der Maxi-Laden eröffnet. Das Sortiment wurde mit Frischprodukten und Artikeln für den täglichen Bedarf erweitert. Alfred Peter denkt gerne daran, wie seine Frau 23 Jahre lang – bis zu ihrer Pensionierung – das Geschäft mit «viel Freude und der Liebe zum Detail führte». Es gab in dieser Zeit etliche Hürden zu überwinden, blickt Maria Peter zurück. In erster Linie aber sei sie dankbar für die treue Kundschaft.

Sorge um Marktanteil

Die Grossverteiler bereiteten den kleinen Dorfläden grosse Sorgen. Hier spiele der Preiskampf eine Rolle. Alfred Peter spricht von der Sorge um den Marktanteil, falls nur noch wenige Grossverteiler auf dem Schweizer Markt vertreten seien. Dies sei auch ein Grund, weshalb die jetzige Pächterin, Monika Pislor, nach nur viereinhalb Jahren den Vertrag auf Ende März gekündigt hat.

Alfred Peter bedauert dies sehr. Trotz der schwierigen Situation wünscht er sich, dass der Dorfladen in Wagerswil weitergeführt wird. Ein Nachfolger ist jedoch nicht in Sicht. «Wir prüfen alle Optionen», sagen die Peters. Wenn sich Leute finden würden, die den Dorfladen mit einem neuen Konzept und mit Kraft und Überzeugung neu lancieren wollen, könnte vielleicht bald ein neues Kapitel beginnen. «Dabei hoffen wir sehr auf die Unterstützung in den umliegenden Dörfern.»


Leserkommentare

Anzeige: