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Tagblatt Online, 22. Februar 2012 01:04:32

Durchs alte Haus weht frischer Wind

Seitenblick Zoom

Kunst aller Art: Das Bild «Kool Killer» ziert bald das Heim einer Frau Mitte 40. Die Zeichnung des bongospielenden Bären ist eines der aufwendigsten und teuersten Werke. Neben Gemaltem gibt's auch Fotos zu bestaunen. (Bild: Bilder: Reto Martin)

Es dauert nicht mehr lange, bis der Frauenfelder Stadtgalerie Baliere ihre soeben erst gewonnene Jugendlichkeit wieder genommen wird. Doch noch ist es nicht so weit: Bis Sonntag bleibt die Ausstellung «Seitenblick» geöffnet, in der sieben junge Kunstschaffende ihre Werke zeigen.

STEPHANIE MARTINA

FRAUENFELD. Noch nie zuvor habe die Baliere so gelebt, meint eine ältere Dame, während sie durch die Räume schlendert. Ein grösseres Kompliment hätte sie den jungen Künstlern kaum machen können. «Wenn die Besucher das so empfinden, dann haben wir unser Hauptziel erreicht», erklärt Oliver Frei, einer der sieben Künstler, die gemeinsam unter dem Namen «Seitenblick» ihre Werke ausstellen. Der Frauenfelder freut sich über die durchs Band positiven Rückmeldungen, von jüngeren wie von älteren Besuchern. Dass die Ausstellung junge Leute ansprechen würde, davon war man überzeugt, sagt Frei. «Aber ein solch altersdurchmischtes Publikum haben wir nicht erwartet. Viele der bisher rund 150 Besucher sind älter als 65.»

Blaue Wange am Morgen danach

Insgesamt 31 Kunstwerke zieren die Wände der Baliere. Freis Bild hängt direkt im Eingangsbereich. Natürlich wäre es schön, wenn es jemand kaufen würde, sagt er. Aber er sei auch nicht traurig, wenn er es wieder nach Hause nehmen könne, um noch etwas weiter daran zu malen. «Das eigene Werk hat für den Künstler einen hohen Wert. Man wird sozusagen eins mit dem Bild. Ich bin auch schon darauf eingeschlafen und am nächsten Morgen verspannt und mit einer blauen Wange aufgewacht», sagt Frei.

Obwohl die eigenen Werke für jeden von ihnen einen immens hohen Wert haben, versuchten die Kunstschaffenden gemeinsam, Preise festzulegen, die gerechtfertigt sind. Die Kaufpreise liegen zwischen 150 und 3200 Franken. Bisher seien drei Bilder verkauft worden. «Eine Frau Mitte 40 erwarb das Bild <Kool Killer> für 1700 Franken», sagt Frei. Für seinen Geschmack dürften aber ruhig noch ein paar mehr verkauft werden.

Dreck vom Open Air Frauenfeld

Die sieben Künstler kommen aus verschiedenen Winkeln der Schweiz, dennoch hat jeder von ihnen einen Bezug zur Stadt Frauenfeld. Über ihre persönliche Verbindung sprechen sie in einem selbstgedrehten Video. «Diese Schuhe habe ich am Open Air Frauenfeld beim Live Painting getragen», erklärt beispielsweise Claude Lüthi. Er habe die Schuhe immer und immer wieder geschrubbt, doch der Dreck halte sich hartnäckig.

Noch bis Sonntag präsentieren die Künstler ihre Werke. Danach geht's ans Aufräumen, ans Zuspachteln der Löcher, die die Nägel in den Wänden hinterlassen haben. Von Wehmut keine Spur. Das Gefühl der Zufriedenheit überwiegt bei weitem. Zudem glaubt die Truppe fest daran, dass dies nicht die letzte «Seitenblick»-Ausstellung gewesen ist. Oliver Frei meint: «Irgendwo wird es bestimmt eine zweite Ausstellung geben, wenn nicht in der Baliere, dann sonstwo.»

Seitenblick: noch bis So, 26.2., Stadtgalerie Baliere, Frauenfeld. Do 19–21, Sa/So 14–19 Uhr.




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