Direkte Links und Access Keys:

Tagblatt Online, 11. Februar 2009 01:04:10

Live aus dem Lichthof

Zoom

Die «Kulthurmacher»: Albert Zwick, Hildegard Brühwiler, Edwin Kuhn und Raphael Brühwiler (von links).

Kulturmacher Erst seit gut drei Jahren gibt es in Oberbüren Kleinkultur. Die Gruppe «Kulthur» organisiert die Anlässe. So erfolgreich wie sie ist wohl noch kein Kleinkulturveranstalter gestartet.

Michael Hug

Pro Vorstellung 110 Zuschauer – manch ländlicher Kleinkunstveranstalter wird da neidisch. «Sogar zu Lesungen sind mehr als 60 Personen gekommen», erwähnen die Initianten von «Kulthur» stolz. «Offensichtlich sind wir auf eine Marktlücke gestossen.» Dabei wollten die Gründer Albert Zwick, Raphael und Hildegard Brühwiler, Othmar Senn und Edwin Kuhn nur etwas Kleinkultur in die Gemeinde bringen, damit man dazu nicht in die Stadt gehen müsse: «Und wir wollten mit Konzerten, Lesungen oder Kabarett dem fernsehkonsumistischen Verhalten etwas entgegensetzen.»

Rauchender Chopin

Mit einem Zieher hat man im November 05 die Saison eröffnet: Thomas & Lorenzo gaben «Smoking Chopin» zum besten, ein komödiantisches Programm, bei dem volle Säle garantiert sind. Auch die weiteren Anlässe waren erstaunlich gut besucht. Damals Grund genug, der Startsaison noch mindestens eine zweite anzuhängen.

Simon Enzler sagte Nein

Jetzt, kurz nach dem Auftakt zur vierten Spielzeit ist man im Team voll Ironie: «Wir werden es wohl noch zehn Jahre lang machen müssen.» Dem erstaunlichen Erfolg liegt ein klar formuliertes Konzept zugrunde: Man programmiert nur vier Anlässe, alle im Winter und alle unverrückbar am Frühsonntagabend um fünf Uhr.

«Ausserdem soll der Anlass zum Preis eines Kinobilletts besucht werden können», meint Edwin Kuhn. «Der Eintritt kostet darum durchs Band immer fünfzehn Franken.» Worüber sich Künstler allerdings schon mokiert hätten. «Simon Enzler, beziehungsweise sein Manager, wollte sich nicht so billig verkaufen, obwohl er seine volle Gage bekommen hätte», sagt Kuhn.

Gespielt wird im Lichthof

«Kulthur» ist kein Verein und kann deshalb nicht auf Mitgliederbeiträge bauen. Die hohe Zahl der Zuschauer, die zum grossen Teil aus dem kleinkulturarmen Uzwil kommen, und einige Sponsoren sorgen trotzdem für eine zufriedenstellende Finanzlage.

Die Anlässe finden im Lichthof der modernen Oberstufenanlage statt. Dieser Ort bietet räumliche Flexibilität und zaubert eine spezielle Atmosphäre herbei. Helferhände finden die fünf Initianten bei Freunden und der Oberbürer «Trachtengruppe an der Thur», die auf eigenes Risiko die Apéro-Bar führt. «Von uns – für uns», heisst die Devise, deshalb wird auch Wert auf heimisches Schaffen gelegt. Mindestens ein Anlass pro Spielzeit soll mit Oberbürer Künstlern besetzt werden.

Neuen Gesprächsstoff bieten

Es bleibt die Frage, was fünf Personen antreibt, ihre Freizeit in eine Sache zu investieren, bei der andernorts schon zahlreiche Flinten frustriert ins Korn geworfen wurden? Raphael Brühwiler: «Es ist der Gedanke, der Bevölkerung eine sinnesmässige Freude zu verschaffen. Es gibt neuen Gesprächsstoff im Alltag, und Menschen kommen zusammen, die sich sonst nicht treffen würden.»





Leser-Kommentare:
keine


Zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden.

Kommentar schreiben

Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie eingeloggt sein!

Um Inhalte kommentieren zu können, müssen Sie eingeloggt sein.

Noch keinen Zugang? Jetzt kostenlos registrieren!

Anzeige:

Anzeige:

Anzeige:

Anzeige:

tagblatt.ch / ipad

iPad und E-Paper

facebook.com / tagblatt

 ...

Anzeige: