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Tagblatt Online, 16. August 2010 01:02:44

«Psyche hat grossen Einfluss»

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«Sich Sorge tragen sollte man schon in jungen Jahren», sagt Sonja Moser. (Bild: Bild: Hedy Züger)

Sonja Moser war beruflich als Pflegefachfrau tätig mit langjähriger Erfahrung in der Alterspflege. Sie äussert sich im Interview zu den besonderen Bedürfnissen älterer Menschen und sagt, dass alleine leben belastend sein kann.

Genügt es, ab 65 seine Gesundheit zu hinterfragen?

Sonja Moser: Sobald man für sich selber Verantwortung trägt, müsste man auch beginnen, auf seine Gesundheit zu achten. Also schon in jungen Jahren.

Ist es richtig, nach der Devise «wenig Zucker, wenig Fett und überhaupt weniger essen» zu leben?

Moser: Da bin ich auch nicht ganz einverstanden. Das Mass spielt schon eine Rolle, wir sollen aber von allem essen, und das in vernünftigen Mengen.

Im Vordergrund stehen die genügend grossen Anteile an Früchten und Gemüse sowie eine genügende Flüssigkeitszufuhr. Das Trinken ist bei älteren Menschen oft ein Problem, sie haben kein Durstgefühl mehr.

Grossverteiler wollen beim Fleisch oft grosse Portionen absetzen, die den Bedarf kleiner Haushalte übersteigen. Lässt sich da etwas ändern?

Moser: Es gibt einfache Ausweichmöglichkeiten, zum Beispiel das Einfrieren der nicht benötigten Mengen.

Viele ältere Menschen bei uns leben ohne Partner und empfinden das Alleinsein als Belastung. Haben Sie das als ehemalige Mitarbeiterin von Spitex auch festgestellt?

Moser: Es trifft zu, es ist für viele Betagte belastend, allein zu leben, vor allem, wenn sie sich keinen Freundeskreis aufbauten und keine Kinder haben. Ältere Ehepaare ziehen sich zurück mit dem Argument, dass sie zu zweit noch viel unternehmen und sich gegenseitig unterstützen, das genüge. Irgendwann stirbt ein Partner, das ist unvermeidlich, und der andere bleibt allein zurück.

Im Alter Bekanntschaften zu schliessen wird aber schwieriger.

Welchen Einfluss hat eine stabile Seelenlandschaft auf die Gesundheit?

Moser: Der Einfluss des psychischen Zustandes auf die körperliche Gesundheit ist gross. Wenn wir auch einem trüben Tag bewusst etwas Schönes abgewinnen können, geht es uns doch sofort besser.

Frauen sind in unserer Gesellschaft in der Überzahl. Müsste es für sie mehr eigene Treffpunkte geben?

Moser: Ich glaube nicht, dass mehr Treffpunkte für Frauen überhaupt benutzt würden. In der Regel ist es doch so, dass mit Männern, selbst wenn ihr Anteil in einer Gruppe kleiner ist, Kontakte und Diskussionen lebhafter und vielseitiger werden.

Sie pflegen einen Gemüsegarten, fahren Velo und wandern topfit vorne mit. Wie wichtig ist Bewegung wirklich?

Moser: Sehr wichtig! Vor allem ist regelmässige Bewegung wichtig. Sicher darf man auch nicht übertreiben und meinen, man müsse so viel Sport betreiben wie die junge Generation. Die Bewegung soll die ältere Generation fordern, aber nicht überfordern, sie soll dem Alter angepasst werde.

Was nimmt man von den Vorfahren über die Gene in seinen eigenen sportlichen Lebenslauf auf?

Moser: Das Vorbild der Eltern und Grosseltern hat einen Einfluss. Es war damals weder alles gut noch alles schlecht, genau wie heute. Sie lebten uns in vielen Bereichen ein Verhalten vor, das wir unbewusst nachahmen.

Welchen Stellenwert haben tägliches Turnen zu Hause, Gymnastikvereine und Seniorenturngruppen?

Moser: Meines Wissens absolvieren nur wenige Leute diszipliniert jeden Tag ein Morgenturnprogramm.

Sich einer Gruppe anzuschliessen, der einen oder andern, bedeutet Kameradschaft und bringt eine gewisse Regelmässigkeit, die man nicht mehr missen möchte.

Sie sind bei den Naturfreunden mit Ihrem Mann Hermann für die Senioren zuständig. Wer kann sich da beteiligen?

Moser: Grundsätzlich jedermann ab 50. Wir bieten kürzere und längere monatliche Wanderungen, Exkursionen und gemütliches Beisammensein. Das Programm passen wir den Wünschen und den körperlichen Möglichkeiten an.

Wer schon in jungen Jahren den Naturfreunden angehörte, tritt im reiferen Alter automatisch zu den Senioren über. Nämlich dann, wenn man bei Bergwanderungen, Klettertouren und anderen Angeboten nicht mehr mit der jungen Generation mithalten kann. Aktive und Senioren bieten Bewegung in einem attraktiven Wanderprogramm. Das Ziel heisst auch bei den Naturfreunden: So lange wie möglich gesund und selbständig bleiben. Interview: Hedy Züger





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