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Tagblatt Online, 21. April 2011 01:07:11

Notabene

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Vinyl – das einzig wahre Hörvergnügen

Geben Sie's zu. Sie haben keine Ahnung. Fünf Jahre? Zehn? Oder sogar Zwanzig? Bei mir ist es rund zwölf Stunden her, seit ich zum letzten Mal Musik ab Platte gehört habe. Nein, nicht ab einer Festplatte. Und auch nicht ab CD. Ab einer richtigen Platte, gepresst aus Vinyl. Das tue ich fast täglich. Denn sind wir ehrlich: Sogar eine leicht zerkratze LP tönt noch besser als das modernste iPod-Dock.

Wie bitte? Aber sicher merkt man diese Finessen! Am allerschlimmsten sind Downloads, womöglich noch unbezahlt, aus einer Tauschbörse. In der Schweiz sogar legal – aber trotzdem unhörbar. Ich sage ja nicht, ich lade keine Musik aus dem Netz herunter. Macht ja heute sowieso jeder. Und die Musikindustrie hat sich längst so eingerichtet, dass sie die dort verlorenen Millionen anderswo wieder einstreicht. Doch: Wenn mir etwas gefällt, dann muss ich es haben. Zum Anfassen, Herumdrehen, manchmal Aufklappen, Betrachten, Mitnehmen. Meinen Mitbewohnern zeigen. Auflegen und geniessen.

«Du spinnst doch», sagen nicht wenige. Herausgeworfenes Geld für unnötige Platzdiebe. Für mich aber sind die Kunststoffscheiben viel mehr als Datenträger. Für mich sind sie schützenswerte Kulturträger, die ihren Preis haben (sollen). Legen Sie doch auch wieder mal eine Platte auf. Dann sitzen Sie, wie ich, aufs Sofa, und hören hin. Es wird Ihnen gefallen. Und wird Ihnen dabei langweilig, nehmen Sie Seite B.

Mario Fuchs

mario.fuchs@wilerzeitung.ch




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