Tagblatt Online, 17. Dezember 2008 01:00:51
Jungunternehmer der Zukunft?
Die beiden Kantonsschüler Simon Michel und Jerome Oesch betreiben in ihrer Freizeit einen Reparaturservice für iPod und iPhone (von links). (Bild: Bild: ast.)
Zwei Wiler Kantonsschüler haben aus ihrem Hobby ein Geschäft gemacht. Sie ersetzen defekte Teile an iPods und iPhones, ihre Kunden kommen aus der ganzen Schweiz.
Astrid Stäger
Sie sind 17 und 18 Jahre alt und lieben Musik und elektronische Geräte, wie so viele andere Jugendliche in diesem Alter. Hinter diesen beiden Jungs mit dem verschmitzten Lachen könnten sich jedoch zwei erfolgreiche Jungunternehmer verstecken.
Elektronik-Freaks
Jerome Oesch aus Niederwil und Simon Michel aus Rossrüti haben viele Gemeinsamkeiten. Sie besuchen beide die Kantonsschule in Wil, in einem Jahr gilt es ernst, dann sind Maturaprüfungen angesagt. Gleichzeitig verbindet die beiden ein starkes Interesse für elektronische Geräte. Aber anders als bei den meisten Jugendlichen interessieren sie sich nicht nur für deren Gebrauch sondern auch für das komplizierte Innenleben dieser kleinen technischen Hilfsmittel. Was die zwei Kantonsschüler im Moment deshalb am meisten zusammenschweisst, ist ihr selbst gegründetes Unternehmen «i-Technique»: Jerome und Simon bieten einen Reparaturservice für iPhones und iPods an.
Schon früh zeichnete sich bei beiden ein Flair für elektronische Geräte aus. Simon besuchte in seiner Freizeit während eines Jahres wöchentlich einen Elektronikkurs, Jeromes Wünsche zu Weihnachten waren fast ausschliesslich technische Spielsachen. So lag es nahe, dass die zwei Elektronikfreaks dieser Leidenschaft treu blieben. Seit rund neun Monaten existiert nun ihr Reparaturservice. Defekte Geräte werden ihnen von Kunden aus der ganzen Schweiz zugeschickt, die zwei Tüftler wechseln die schadhaften Teile aus und schicken das Gerät mit Rechnung zurück. Sie reparieren keine Softwarefehler, sondern ausschliesslich defekte Hardware. «Bei den meisten Geräten, die wir zugeschickt bekommen, müssen wir die Displays ersetzten. Oft sind sie durch Selbstverschulden zerbrochen und der Besitzer hat darum keinen Garantieanspruch mehr», erklärt Simon. Die Ersatzteile beziehen die beiden «Jungunternehmer» aus Asien.
Die Geschäftsidee hatten die zwei Schüler gemeinsam. Bei Jerome wäre es eine Idee geblieben, doch Simon blieb hartnäckig und verwirklichte sie.
Auf Kundensuche im Internet
Der Computerfreak richtete eine Website ein auf der er für seine Dienstleistung Werbung macht. Nach einem halben Jahr konnte er die ersten Früchte ernten, bei ihm nahmen die Aufträge zu. Schnell erkannte Simon Michel, dass er das Eingangsvolumen nicht mehr alleine bewältigen konnte und fragte Jerome um seine Mithilfe an. Heute ist Jerome für die iPods zuständig und Simon für die iPhones. Nun arbeiten sie zusammen, am Anfang war es pro Woche ein defektes Gerät, jetzt ist es bereits eines pro Tag.
Konkurrenz austricksen
Unter www.i-technique.ch pflegen die beiden Kantonsschüler einen ausgeklügelten Internetauftritt mit Kontaktformular und den Hinweisen auf die Dienstleistungen ihres Unternehmens. «Natürlich tummeln sich im Internet noch andere Anbieter, die Geräte reparieren, doch wir versuchen durch eine Niederpreisstrategie unsere Konkurrenz auszutricksen», schmunzelt Simon nicht ohne Stolz.
In ihrer Freizeit reparieren sie nicht nur iPods und iPhones, sondern betreiben auch Sport. Jerome spielt Volleyball und Simon macht Karate. Dazu kommt bei Simon noch die Autoprüfung, die er derzeit anpeilt. So wird bei den beiden Kantonsschülern mit der kontinuierlich steigenden Tendenz der Aufträge in ihrer «i-Technique» das Zeitmanagement zusehends schwieriger. «Wir haben deshalb entschieden noch jemanden in unser Boot zu holen und sind auch bereits fündig geworden», erklärt Jerome.
So ist in den vergangenen neun Monaten aus der Idee von zwei jugendlichen Technikfreaks ein kleines «Drei-Mann-Unternehmen» geworden.
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