Platz für Fahrende gesucht

REGION ⋅ Der Kanton St. Gallen stellt immer noch keine Durchgangsplätze für Fahrende zur Verfügung. Nun sollen im nächsten Jahr drei provisorische Standorte entstehen – für zwei bis vier Jahre.
31. August 2017, 05:18
Jonas Manser

Jonas Manser

jonas.manser@wilerzeitung.ch

Der Kanton St. Gallen visiert drei provisorische Standorte für Fahrende im nächsten Jahr an: Entstehen soll je einer im Sarganserland, im Rheintal und im Fürstenland. Dies teilte Ueli Strauss, Kantonsplaner, gegenüber dem «Regionaljournal» des SRF mit. Wo genau diese Standorte hinkommen sollen, wird noch geheim gehalten. Die Stadtverwaltung von Wil konnte bezüglich Informationen zu den Fahrenden nicht erreicht werden.

Bereits seit zehn Jahren scheitert der Kanton daran, Durchgangsplätze für Fahrende zu schaffen. Nun soll zunächst mit Provisorien abgeholfen werden, da keine Abstimmungen sowie Zonenplanänderungen dafür notwendig sind.

Bis heute keine Standorte im Kanton St. Gallen

Gegner für die Plätze gebe es in der Bevölkerung viele, so Strauss in einem Interview mit FM1 Today. Das Thaler Stimmvolk sagte im Jahr 2014 Nein zu einem Platz, so auch Gossau im vergangenen Jahr. Eigentlich wäre der Kanton dazu verpflichtet, sechs Plätze zur Verfügung zu stellen – bis heute gibt es jedoch keinen einzigen. Dabei geht es um «offene» Durchgangsplätze, welche nur über kurze Zeit von den Fahrenden genutzt werden. Ganz im Gegensatz zu fixen Standplätzen, wo sie zum Teil Jahre verweilen. Von diesen gibt es 15 in der ganzen Schweiz verteilt, zwei davon in Wil.

Vorurteile und Ärger erschweren die Umsetzung

Die Provisorien sollen die Gemüter beruhigen: «Es ist ein neuer Anlauf, um bei der Bevölkerung Vorurteile abzubauen», sagt Strauss gegenüber FM1 Today. Auch in der Region sorgten Fahrende im 2013 in Münchwilen für Ärger, als sie sich damals auf dem nahegelegenen Land von Thomas Bruggmann niederliessen. Die Gäste hätten rund um den «Bodeloose» Weiher ihr Geschäft verrichtet, und die Polizei musste einschreiten. Strauss hofft, dass die Plätze nach zwei bis vier Jahren auf eine dauerhafte Basis gestellt werden können. Allerdings wäre auch dann wieder ein Referendum möglich. Für Simon Röthlisberger, Geschäftsführer der Stiftung Zukunft für Schweizer Fahrende, ist es ein guter Anfang: «Es wäre also noch Potenzial da, aber die drei Plätze, die nun ins Auge gefasst werden, werden von der Stiftung bereits sehr begrüsst.» Provisorische Plätze seien nicht optimal, führt Röthlisberger fort. «Es ist mühsam für die Jenischen, Sinti und Roma, weil ihnen der Lebensraum nur auf Zeit gewährt wird.»

Die Provisorien werden für zwei bis vier Jahre aufgestellt, danach können sie wieder abgebaut werden oder in fixe Durchgangsplätze umgebaut werden.


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