Operation nach dreistündigem Fussmarsch

NIEDERHELFENSCHWIL ⋅ Die Stiftung Endamarariek unterstützt seit Jahren das Gesundheitszentrum im Norden Tansanias. Zudem organisiert sie Praktika für Medizinstudenten. Die Stiftungsräte erzählen vom Projekt und ihren Eindrücken der vergangenen Reise.
13. November 2017, 07:14
Zita Meienhofer

Zita Meienhofer

zita.meienhofer@wilerzeitung.ch

«Als aussenstehende Person, welche die immensen Möglichkeiten in der Schweiz mit ihrer modernen, flächendeckenden Medizin kennt, blieb bei mir häufig ein Ohnmachtsgefühl zurück.» Mit diesen Worten beschrieb Evelyn Keller-Studer ihre Eindrücke während des Praktikums als Medizinstudentin im Gesundheitszentrum von Endamarariek im 2014. Die Ärztin reiste seither erneut in den Norden Tansanias, um in diesem Spital tätig zu sein – unentgeltlich. Zudem finanzierte sie ein Chemielaborgerät.

Sales Huber, ehemaliger Arzt in Niederhelfenschwil und selber einst in Tansania als Praktikant tätig, kannte die Not der armen Bevölkerung, wusste um die schlechte Versorgung im Gesundheitsbereich und startete vor 30 Jahren die finanzielle Unterstützung zum Aufbau des Gesundheitszentrums. Er konnte die katholische Kirchgemeinde Niederhelfenschwil für seine Idee gewinnen. Dank eines grossen Spendenbetrags der Kirchgemeinde konnte der Betrieb am Spital aufgebaut und gestartet werden. Später gründete Huber die Stiftung Endamarariek und präsidiert diese bis heute. Diese finanziert unter anderm das jährliche Defizit des Gesundheitszentrums in der Höhe von rund 130000 Franken. Nebst Spenden von Privaten und Institutionen aus der Gemeinde Niederhelfenschwil und der Region Wil sind es vor allem die Dritt-Welt-Freunde aus Wittenbach und der Rotary Club Wil-Hinterthurgau, welche die Stiftung unterstützen. Stetig wurde das Spital erneuert, Geräte angeschafft, die personelle Situation verbessert. Sales Huber und seine Frau Marianne weilten deshalb unzählige Male in Ostafrika, um sich vor Ort ein Bild zu machen und regelmässig die Finanzen zu kontrollieren.

Umbau und Anschaffung dank Effort des Stiftungsrats

Die Tansanier arbeiten fleissig, eigenständig, engagiert und motiviert, sind darum bemüht, korrekt und wirtschaftlich tätig zu sein. Sales Huber spricht von einem erfolgreichen Projekt, das ihn mit Stolz erfülle, Stolz auf die Afrikaner. Das Spital ist heute ein Vorzeige-Unternehmen mit 40 Angestellten und zählt zu den grössten Arbeitgebern in Endamarariek. Er verschweigt aber auch nicht, dass zwei bis drei «Knicke in der Karriere» verkraftet werden mussten.

Für dieses Jahr plante der Stiftungsrat bauliche Veränderungen und die Anschaffung verschiedener Geräte. Unter anderem sollten die Bereiche Gynäkologie und Geburtshilfe ausgebaut, die Diagnostik verbessert, die allgemeine Chirurgie und Traumatologie eingeführt sowie der Krebsabstrich möglich gemacht werden. Der Stiftungsrat mit Sales und Marianne Huber, Urs Germann, Tanja Schadegg Müllhaupt, Michal Herzog, Evelyn Keller-Studer, Walter Jung und Gallus Heeb musste deshalb mehr Geld als üblich beschaffen. Das ist ihm letztlich auch gelungen – dank vieler grosszügiger Spender, wie Marianne Huber erklärte und dank des Erlöses von speziell dafür organisierten Anlässen.

Beeindruckt vom Wissen und der Sauberkeit

Auch personell wurde aufgerüstet. Bald wird mit Baraka Soko ein erfahrener und versierter Chirurg die Arbeit aufnehmen. Soko ist im Spital von Endamarariek kein Unbekannter, ist er doch monatlich einmal dort tätig. Ebenso werden dort, wie in den vergangenen zwei Jahren, weiterhin Medizinstudenten aus der Schweiz ein unentgeltliches Praktikum absolvieren können. Sie machen das ehrenamtlich, so wie auch die Stiftungsmitglieder tätig sind. Kürzlich reisten Marianne und Sales Huber sowie Urs Germann mit Niederhelfenschwils Gemeindepräsident Simon Thalmann sowie Gemeinderat Ruedi Gschwend nach Ostafrika. Thalmann und Gschwend waren fasziniert von der Sauberkeit und Pünktlichkeit der Angestellten. Urs Germann, ehemaliger Arzt aus Wil, hat das Wissen, die Selbstsicherheit und das genaue Arbeiten extrem beeindruckt. Seine Schilderungen von den besonderen Fällen wie dem zwölfjährigen Knaben mit eitrigem, bösartigen Tumor im Knie, der für eine Amputation weitergewiesen werden musste, vom zu früh geborenen Kind, das sich mit seiner Mutter im wärmsten Zimmer aufhält, weil keine Isolette vorhanden ist, vom bis zu dreistündigen Fussmarsch zum Spital – nur wenige sind motorisiert oder haben ein Auto oder Mofa – berührten und zeigten auf, wie wertvoll die Unterstützung durch die Stiftung ist.

Hinweis

www.endamarariek.ch


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