Mit E-Bike statt Bus zur Arbeit

REGION ⋅ Eine Statistik gewährt interessante Einblicke in den öffentlichen Verkehr im Grossraum Wil. Höhere Preise und alternative Fortbewegungsmittel verändern das Nutzungsverhalten.
12. August 2017, 05:17
Jonas Manser

Jonas Manser

jonas.manser@wilerzeitung.ch

Die Schweizer verbringen im Durchschnitt 69 Minuten pro Wochentag im öffentlichen Verkehr, besagt eine internationale Studie vom Februar. Ein Blick auf die Zahlen der Statistik «Der öffentliche Verkehr in Zahlen», herausgegeben vom Departement des Innern und der Volkswirtschaft des Kantons Thurgau, zeigen auf, wo diese durchschnittlichen 69 Minuten verbracht wurden. Die Züge, Busse und Schiffe im Thurgau legten im vergangenen Jahr insgesamt 13937080 Kilometer zurück – das sind zirka 350 Erdumrundungen. Grobe Veränderungen in der Nutzung der öffentlichen Transportmöglichkeiten waren in der Statistik nicht zu erkennen. Zwar sassen auf der Strecke von Winterthur nach Wil mit 8,5 Millionen Passagieren beinahe 800000 mehr Fahrgäste in den Abteilen als im Vorjahr. Diese Zahl beinhaltet jedoch auch die Fahrgäste, welche ausserhalb des Kantons Thurgau in den Zug stiegen.

Ausreisser in der Statistik

Einzig die markante Abnahme der Benutzung der Strecke Weinfelden–Wil stach ins Auge: Die Zahl sank von 815000 auf rund 705000 Passagiere. Werner Fritschi, Mediensprecher Thurbo, relativiert diese Zahlen: «Diese Statistiken sind gewissen Schwankungen unterworfen. Solange der Trend nicht andauernd abwärts geht, sehen wir darin kein Alarmzeichen. Im Netz der Wil-Mobil notierte im 2016 eine starke Zunahme der Nutzung des Nachtangebots, dem Wiler Abend-Taxi. «Das Angebot wurde rund 15 Prozent häufiger genutzt», berichtet Hans Koller, Leiter Markt bei Wil-Mobil. Bereits seit 2006 können sich Bewohnerinnen und Bewohner von Wil und Wilen ab 20 Uhr vom Abend-Taxi direkt vor ihr Haus kutschieren lassen. Insgesamt seien die Stadtbuslinien rund 5 Prozent häufiger genutzt worden, die Sonntagsangebote sogar bis zu 10 Prozent.

Alternative Verkehrsmittel kommen auf

Eine ähnliche Tendenz würde sich in diesem Jahr abzeichnen. «Das ist sehr erfreulich, bedenkt man, dass die Nutzung des ÖV tendenziell am Stagnieren ist», so Koller. Grund dafür sieht Koller unter anderem in den Preiserhöhungen der vergangenen Jahre. So seien Bahnunternehmen zum Beispiel gezwungen gewesen, zusätzlich entstandene Gebühren auf ihre Fahrpreise abzuwälzen. Ausserdem sind die Kosten durch erweiterte Angebote gestiegen. «Die Nachfrage hinkt dem Angebot jedoch immer ein wenig hinterher.» Die Kundschaft müsse sich zuerst einmal an die neuen Möglichkeiten gewöhnen. Aufgefallen ist Koller auch das Mobilitätsverhalten der Bewohner auf dem Land: «Die sogenannte ‹E-Mobilität›, gemeint sind die neuen elektronischen Verkehrsmittel, ermöglicht es den Leuten, zum Beispiel mit dem E-Bike anstatt dem Bus zur Arbeit zu fahren.»


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