Mit dem Kreislauf der Natur leben

ALGETSHAUSEN ⋅ Liliane und Julian Künzle-Kesseli bewirtschaften ihren Hof in der Rütiwes achtsam, naturnah und mit Techniken der Permakultur – sowohl bei der Tierhaltung als auch beim Anbau von Obst und Getreide.
17. Juli 2017, 06:55
Kathrin Meier-Gross

Kathrin Meier-Gross

redaktion@wilerzeitung.ch

«Vorsicht, freilaufende Kinder!» Wer von Algetshausen über die Rütiwes nach Uzwil unterwegs ist, trifft auf dieses Schild. In den vergangenen Monaten sind weitere Veränderungen aufgefallen. Hecken wurden gepflanzt. Auf den Wiesen scharren verschiedene Arten von Rassehühnern in mobilen Gehegen nach Würmern, und die Kühe haben Hörner. Sie gehören leichtgewichtigen Rassen an. In der Herde hat es Mutter- und Jungtiere sowie Ochsen.

Wissen, woher das Essen stammt

Liliane und Julian Künzle – sie gelernte Konditorin/Confiseurin, er Chemielaborant – sind in den vergangenen Jahren zu überzeugten Bauersleuten mutiert. Obwohl beide als Jugendliche nie in die Fussstapfen ihrer Eltern treten wollten. Als Eltern vom sechsjährigen Eric und vom dreijährigen Remo schätzen sie es, selber über ihre Arbeit bestimmen zu können. Und zu wissen, woher die Lebensmittel stammen. 2013 hat das junge Paar den Hof von Lilianes Eltern übernommen und mit der Umstellung begonnen. 2018 soll der Hof Demeter-zertifiziert werden. Künzles sind sowohl auf dem Feld als auch in der Tierhaltung am Erfahrungen-Sammeln. 150 Legehennen, zwölf «Güggel» und viele Bibeli grasen in verschiedenen Herden. Die Hennen dienen der Aufzucht. Die männlichen Tiere werden auf dem Hof geschlachtet und verkauft. Künzles sind am Proben, ob natürliches oder künstliches Brüten besser gelingt. Es ist ihnen ein Anliegen, dass das Futter für die Hühner vollständig vom eigenen Hof stammt. Ebenso bei den Kühen. «Soja und Palmöl sollen nicht billig als Tiernahrung aus Ländern importiert werden, während die Bevölkerung dort an Armut leidet», betont die Bäuerin. Ihr Mann fügt an, dass Lebensmittel ihren gerechtfertigten Wert haben sollen. Ein weiterer Punkt ist der sorgsame Umgang mit dem Boden. Um der Erosion bei Starkregen entgegenzuwirken, hat der Bauer auf den Feldern den Höhenlinien entlang Gräben ausgehoben – eine Technik der Permakultur. Darin sammelt sich das Wasser. Mit der Aushuberde sind Walme geschichtet worden, welche die Familie mit über 1000 Sträuchern und Bäumen bepflanzt hat. Diese Streifen erhöhen die Biodiversität, was auch den Vögeln und Insekten zugute kommt. Der Buchweizen, der jetzt zwischen solchen Gräben blüht, wird von den vielen Bienen befruchtet. Das junge Ehepaar hat noch viele Ideen. Schweine und Schafe würden ebenfalls gut ins Konzept passen. Auch die Verarbeitung des eigenen Getreides wird von der Bäuerin ins Auge gefasst und würde das Angebot der Direktvermarktung von Eiern, Fleisch, Früchten und Süssmost vergrössern. Liliane und Julian Künzle wollen die Projekte überlegt angehen. Dafür stehen sie jeden Tag auf mit der Überzeugung, einen schönen und sinnvollen Beruf auszuüben. Weitere Informationen gibt es demnächst auf linden feeundapfeltroll.ch.


Leserkommentare

Anzeige: