Drei Orgelkonzerte dreimal anders

FISCHINGEN ⋅ Morgen Sonntag beginnen die Orgelkonzerte in der Klosterkirche. Das Publikum kommt in den Genuss von virtuoser Musik. Dargeboten von ebenso virtuosen Solisten.
12. August 2017, 05:17

Die belgische Organistin Els Biesemans eröffnet morgen Sonntag um 16 Uhr die Reihe der Orgelkonzerte in der Klosterkirche in Fischingen. Sie beginnt ihr Konzert mit der Fantasie und Fuge g-Moll von Johann Sebastian Bach. Das dramatische Werk, aus der Feder des reifen Komponisten, erinnert an eine verletzte, gequälte Seele. Einen heiteren Bach erlebt das Publikum mit Präludium und Fuge D-Dur. Die aufwärtsstürmende D-Dur-Tonleiter des Pedals vermittelt Freude und strahlende Virtuosität.

In Bachs schöner, kammermusikalischer Sonate d-Moll zeigen sich die drei Stimmen vollkommen unabhängig voneinander. Alexandre Pierre François Boëly spielte, als einer der wenigen Komponisten in Paris, Bachs Werke. Dessen polyphoner Einfluss zeigt sich gut im «Duo du Cornet de Récit et de Trompette du Positif», das sich an Bachs zweistimmigen Inventionen orientiert. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde nur wenig Orgelmusik komponiert und so wurden viele Klavierwerke auf der Orgel gespielt. Els Biesemans bringt Ludwig van Beethovens humoristisches Klavierwerk «Variationen über ein Originalthema» zur Aufführung. Die Tastenvirtuosin aus Antwerpen zählt zu den profiliertesten belgischen Musikerinnen.

Ihr Konzert dauert circa eine Stunde.

Barock, Romantik und Zeitgenössisches

Ein Konzert für Tenor und Orgel vom Barock zur Romantik bis ins Heute. Der Dirigent, Improvisator und Komponist Rudolf Lutz aus St. Gallen ist bei vielen Festivals ein gefragter Gast. Am Sonntag, 20. August, 16 Uhr, spielt er in der Klosterkirche. Er hat mit Georg Poplutz aus Frankfurt am Main einen Tenor zum musikalischen Partner eingeladen. Dieser ist bekannt als einfühlsam und ausdrucksstark interpretierender Lied- und Oratoriensänger. Das belegen zahlreiche Konzerte im In- und Ausland und inzwischen fast 50 CD-Aufnahmen. Die beiden Musiker kennen sich vom gemeinsamen Musizieren bei der von Lutz geleiteten J.S.-Bach-Stiftung St. Gallen.

Sie haben für dieses Programm Tenorarien aus Barock, Klassik und Romantik ausgewählt, die dem Publikum gewöhnlich mit Orchesterbegleitung bekannt sind. Mit dem Klang der Aichgasser-Orgel des Klosters Fischingen mögen die Arien in einem anderen Licht erscheinen. Ruedi Lutz wird diese mit seiner Improvisationskunst verbinden, ergänzt mit Auszügen aus einer von Mendelssohns Orgelsonaten und mit seiner eigenen Sonate im klassischen Stil. Um 15 Uhr stellt Rudolf Lutz dem interessierten Publikum sein Programm an der Aichgasser-Orgel vor. Diese Möglichkeit erlaubt, einen Blick hinter die Kulisse zu werfen und die Orgel neu zu entdecken. Die kostenlose Vorführung dauert rund eine halbe Stunde, eine Anmeldung ist nicht erforderlich, der Platz ist jedoch beschränkt.

Wer kennt sie nicht, die beiden Violinromanzen von Ludwig van Beethoven – leuchtend frisch sind ihre sanglichen Melodien, welche sich im Kirchenraum entfalten. Verbunden werden die Romanzen durch Variationen über ein Thema aus Beethovens Klaviersonate Opus 109, welche Gustav Adolf Merkel für die Orgel komponiert hat. Das dritte Orgelkonzert vom 27. August, ebenfalls um 16 Uhr, mit Tobias Frankenreiter (Orgel) und Marita Seeger (Violine) steht unter dem Titel «Instrumentaler Gesang und heitere Verspieltheit». (red)


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