Auch bei der Polizei wurde eingebrochen

WIL ⋅ Die Polizeistation Wil hat eine wechselvolle Geschichte mit vielen Höhen und Tiefen. Platznot und unzumutbare Arbeitsbedingungen in den Büroräumen ziehen sich wie ein roter Faden durch die Jahre. Ein Blick in die Tiefen des Archivs.
12. Oktober 2017, 06:57

Mit aktuell 24 Mitarbeitenden betreut die Polizeistation Wil die Stadt mit ihren 23500 und die Gemeinde Zuzwil mit ihren rund 5000 Einwohnern. Der Arbeitsanfall wird aber vor allem durch die Zentrumsfunktion der Stadt Wil und die verkehrsmässige Bedeutung bestimmt. So betrachtet erstreckt sich das Einzugsgebiet auf die drei Regionen Fürstenland, Toggenburg und Südthurgau mit insgesamt mehr als 100000 Einwohnern. Diese Situation führt dazu, dass sich in Wil auch Menschen tummeln und ausleben, welche die Polizei beschäftigen. Zudem hat das Bevölkerungswachstum in den letzten knapp 50 Jahren zu einer steten Ausdehnung der Aufgabengebiete und zu höheren Anforderungen an die Polizei geführt.

Eintauchen in die Geschichte der Polizeistation Wil

1973 forderten die damals sieben Mitarbeiter der Polizeistation Wil, die sich zu jener Zeit in der Altstadt in einem einzigen Raum von 25 Quadratmetern befanden, bessere Arbeitsplatzverhältnisse. Sie machten auf die baufällige Liegenschaft «Altes Schützenhaus» an der Weierstrasse aufmerksam und schlugen vor, dort nach einem Umbau ideale Verhältnisse zu schaffen.

 

1974 wurde die Mannschaft durch eine erste Sekretärin verstärkt, womit sich das Platzproblem zusätzlich verschärfte. Es kam dazu, dass der Bestand an Polizisten dringend hätte erhöht werden sollen, was die beengten Platzverhältnisse aber nicht zuliessen.

 

1977 war es dann endlich so weit. Im renovierten «Alten Schützenhaus» gegenüber dem Stadtweier konnten drei Büros und einige Nebenräume bezogen werden. Der Mannschaftsbestand wurde allerdings noch nicht erhöht.

 

1982 wurde der Polizeistation Wil ein weiterer Polizeibeamter zugeteilt.

1985 waren es bereits zehn Mitarbeitende. Es machte sich allerdings rasch wieder Unzufriedenheit bezüglich der Platzverhältnisse, aber auch wegen der kalten Böden im Winter, der grossen Feuchtigkeit im Sommer und offenbar in grosser Zahl vorhandener Ungeziefer (Kellerrasseln) bemerkbar.

 

1987 wurde in die Polizeistation Wil eingebrochen; die später ermittelte Täterschaft erbeutete Bargeld und eine Waffe.

1989 erhielt Wil als erste Polizeistation im Kanton ein Patrouillenfahrzeug.

 

1990 platzte die Polizeistation im «Alten Schützenhaus» aus allen Nähten. Die Anzahl der Mitarbeitenden betrug inzwischen zwölf. Die im gleichen Haus untergebrachten Bezirksgerichte Alttoggenburg und Wil verlangten ebenfalls mehr Platz. Das führte dazu, dass nicht alle Polizeibeamten über ein geeignetes Schreibpult verfügten und sich mit einem kleinen, platzsparenden Beistelltisch begnügen mussten. Es wurde eine neue Lösung für die Polizei gesucht.

1991 zog die Polizeistation ins Obergeschoss der gegenüberliegenden Restaurantliegenschaft an der Weierstrasse 10. Bereits damals war man sich bewusst, dass auch jener Standort nicht von langer Dauer sein konnte. Denn er deckte nur die allernotwendigsten Bedürfnisse ab. So verfügte er beispielsweise weder über Garagen noch über einen Abstellraum für die unzähligen Fund-Fahrräder.

1994 bot die Raiffeisenbank Wil und Umgebung ihr altes Bankgebäude an der Lerchenfeldstrasse 12 zum Kauf an.

 

1995 vereinbarten die Stadt Wil und das damalige Justiz- und Polizeidepartement eine neue Regelung bezüglich der Erfüllung gemeindepolizeilicher Arbeiten auf dem Gebiet der Stadt Wil. Es wurde beschlossen, vorerst mit zwei und später mit vier Polizeibeamten eine aus Kantonspolizisten bestehende Stadtpolizei zu bilden. Nachdem die dazu notwendige personelle Verstärkung vollzogen worden war, nahm die Stadtpolizei im April ihren Dienst auf. Sie bezog ein wieder frei gewordenes Büro im «Alten Schützenhaus». Mit Beschluss vom 12. Dezember 1995 ermächtigte die Regierung das Baudepartement, die alte Raiffeisenbank an der Lerchenfeldstrasse 12 in Wil zu erwerben und für die Polizeistation herzurichten.

 

1997 konnte der Mannschaftsbestand auf 16 Mitarbeitende (inklusive Sekretärin und vier Stadtpolizisten) erhöht werden. Der Umzug an den Standort an der Lerchenfeldstrasse 12, der für 18 bis maximal 20 Mitarbeitende konzipiert gewesen war, erfolgte Ende Februar.

 

2003 wurde das Bezirksgefängnis Wil aufgehoben. Die Gefängnissituation im Kanton wurde reorganisiert und den neuen geltenden Richtlinien angepasst, wonach das alte Gefängnis in Wil mit sieben Zellen geschlossen wurde. Das Bezirksgefängnis Wil war wie andere regionale Gefängnisse jahrzehntelang in Betrieb gewesen. Auf Grund des Zustandes, der baulichen Situation usw. ist es vorgekommen, dass Gefangene ausbrechen konnten. So gelang einmal einem Gefangener an einem Karfreitag die Flucht, indem er Fenstergitter ausftrennte. Ein anderes Mal bohrte ein Straftäter mit Körpergewalt ein Loch in die marode Mauer und konnte fliehen.

 

2010 plante der Sicherheitsverbund Region Wil (SVRW) ein neues Gebäude an der Bronschhoferstrasse. Im Wissen um die wieder unzureichende Platzsituation bei der Kantons- und Stadtpolizei Wil, signalisierte der SVRW Interesse, die Polizeistation Wil allenfalls dem neuen Feuerwehrgebäude anzugliedern.

 

2015 genehmigte der Kantonsrat mit Beschluss vom 22. September das Projekt und den Kostenvoranschlag von 9,17 Millionen Franken für den Umbau und die Erweiterung der Liegenschaft an der Bronschhoferstrasse 69 (Swisscom-Gebäude) zur Nutzung als Polizeistation.

 

2017 fand die Grundsteinlegung für die neue Polizeistation Wil statt: am Montag, 9. Oktober, um 14 Uhr.

2019 erfolgt der Bezug der Polizeistation, voraussichtlich im Frühling. (sk/hs)


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