Ein Bauch voller Farben

Wer wohnt denn da? Emil Kunz hat es gerne bunt: Er hat sein Haus in den vergangenen 14 Jahren nach seinem Geschmack umgebaut und dabei unendlich viele Farben verwendet. Grund dafür sind seine Bauchentscheide.
25. Januar 2010, 01:02
Natalie Brägger

Niederuzwil. Eine rot-graue Fassade, blaue Fensterrahmen und eine braune Haustür – das Haus von Emil Kunz am Haslenweg in Niederuzwil ist etwas ganz Spezielles. Ungewöhnlich ist auch die Geschichte, wie der selbständige Landschaftsgärtner und Gartenbauer zu seinem heutigen Domizil kam. Emil Kunz hatte nämlich vor rund 14 Jahren den Auftrag, die Umgebung des damals neuen, aber leer stehenden Hauses zu pflegen. «Als ich das Haus zum ersten Mal sah, hatte ich ein solch brennendes Bauchgefühl, dass ich genau wusste: Das ist mein Haus», erinnert sich der 56-Jährige heute zurück. Und weil Emil Kunz seinem Bauchgefühl immer folgt, kaufte er das Haus und wohnt nun schon seit 14 Jahren darin. Allerdings hat sich sein Heim in diesen Jahren gewaltig verändert. Vieles passte Emil Kunz nicht, so hat er beispielsweise grössere Fenster eingebaut. «Jetzt ist das Haus viel lockerer und sieht grösser aus», erklärt er. In Eigenarbeit hat der Landschaftsgärtner in den vergangenen Jahren noch viele andere Stellen und Ecken renoviert und umgebaut. Hat er auch schon eine nächste Umbauidee im Kopf? «Im Moment habe ich nichts im Hinterkopf, das kann aber morgen schon anders sein», antwortet der Niederuzwiler, für den vor allem das Leben im Hier und Jetzt wichtig ist.

Das Leben bringt Ideen

Doch nicht nur in der Form, sondern vor allem in der Farbe hat Emil Kunz sein Haus bedeutend verändert. Seit rund drei Jahren hat es beispielsweise eine rot-graue Fassade. «Eines Tages kam mir einfach der Impuls, dass dieses Haus rot-grau sein muss», erinnert sich Emil Kunz. Und wie er ist, rief er sofort den Gerüstbauer an, der ihm kurz darauf das Gerüst aufstellte, so dass der 56-Jährige sein Haus selber streichen konnte. Wer Kunz's Haus von aussen schon ziemlich farbig findet, wird allerdings umso erstaunter sein, wenn er erst einmal in das Haus eintritt. Farbe findet sich auch im Innern des Hauses überall, selbst die Bodenplättli im Eingangsbereich und im Bad hat Emil Kunz mit farbigen Mustern verziert. An den Wänden hängen überall farbige, ausdrucksstarke Bilder, die Emil Kunz selber gemalt hat. Das Malen ist nämlich das grosse Hobby des Landschaftsgärtners. Wenn er eine Idee hat, zieht er sich in seinen Keller zurück und setzt sie in Wirklichkeit um. Entstanden sind so schon viele Kunstwerke, die nun sein Haus zieren. Aber woher hat der Künstler eigentlich seine Ideen? «Die bringt mir das Leben», ist Emil Kunz überzeugt, «weil sich mein Bewusstsein ständig entwickelt, habe ich auch immer wieder neue Ideen.» Wer sehen möchte, was der Künstler aus seinen Ideen alles macht, kann dies tun, denn sein Haus dient ihm gleichzeitig auch als Kunstgalerie. Auf telefonische Vereinbarung führt der Niederuzwiler Interessierte gerne durch seine «Hausgalerie».

Lebhafter Garten

Mit dem Hausäussern und -innern hat man aber noch längst nicht die ganze Spezialität von Emil Kunz's Wohnraum gesehen. Zu seinem Haus gehört nämlich auch ein grosszügiger und schön gestalteter Garten. In diesem stehen verschiedene Skulpturen aus Holz und Metall, die Emil Kunz eigens angefertigt hat. Zudem gehören zum lebhaften Garten auch mehrere kleine Weiherchen, in einem von ihnen hält der seit 1985 selbständige Gartenpfleger verschiedene Fische. Dass ihm das Gärtnern sehr viel Spass macht, hat Emil Kunz schon als Kind gemerkt. «Ich habe schon mit sieben Jahren mein erstes Weiherchen gemauert», erzählt der Niederuzwiler. Auch im Garten lässt er sich von seinen Bauchentscheidungen leiten und ist überzeugt davon, dass dies der richtige Weg ist. Entstanden sind dadurch ein Haus und ein Garten mit vielen farbigen Eigenheiten und Spezialitäten, von denen Emil Kunz keine besonders hervorheben möchte. «Das Gesamte macht es aus», so der alleinstehende Mittfünfziger. Und was sagen eigentlich seine Besucher, wenn sie in seine «Villa Kunterbunt» eintreten? – «Emil, das passt zu dir!»

In der Serie «Wer wohnt denn da?» berichtet die Wiler Zeitung in loser Folge von speziellen Häusern in der Region und ihren Bewohnern.

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