Die Träume liegen in Asien

BAZENHEID ⋅ Die 20-jährige Jasmin Näf möchte sich als Anschieberin für die Olympischen Spiele 2018 in Pyeongchang qualifizieren. Vier Jahre später soll der Traum in Peking als Bobpilotin in Erfüllung gehen.
07. Dezember 2017, 05:20
Beat Lanzendorfer

Beat Lanzendorfer

beat.lanzendorfer@

toggenburgmedien.ch

In gut zwei Monaten werden im südkoreanischen Pyeongchang die 23. Olympischen Winterspiele eröffnet. Der überwiegende Teil der Menschen wird dieses Grossereignis vor dem Fernseher mitverfolgen. Ganz andere Pläne verfolgt die Bazenheiderin Jasmin Näf. Übersteht sie vom 21. bis 23. Dezember in Cesana, Italien, die Qualifikation, gehört sie zum erlesenen Kreis jener, die sich Olympioniken nennen dürfen.

Durch Elisabeth Graf auf den Geschmack gekommen

Auf den Geschmack gekommen ist Jasmin Näf vor vier Jahren: «Elisabeth Graf, meine einstige Teamkollegin beim Turnverein Lütisburg, hat mich ermuntert, mich doch einmal in einen Bob zu setzen.» Sie hat den Ratschlag der ehemaligen Mosnanger Spitzenleichtathletin und Bremserin des Bobteams von Fabienne Meyer befolgt. Es blieb nicht beim einen Mal. Nachdem sie sich in einem Monobob versuchte und den Rausch der Geschwindigkeit genoss, war klar: «Ich möchte einem Bobteam angehören». Dank ihres Talents fand sie Aufnahme als Bremserin im Bobteam der Zürcherin Martina Fontanive. Ein weiterer Schritt war der Wechsel zur Schaffhauserin Sabina Hafner, mit der sie sich den olympischen Traum erfüllen möchte.

Dem Team gehören nebst Steuerfrau Sabina Hafner die Zwillinge Rahel und Eveline Rebsamen und eben Jasmin Näf an. «Wir bewegen uns in etwa auf gleichem Niveau. Darüber hinaus kommt es auch auf die Länge der Bobbahn an», antwortet Jasmin Näf auf die Frage, wer bei der Qualifikation kurz vor Weihnachten zu favorisieren ist. Für sie wäre es ein grosses Geschenk, wenn die weihnachtliche Bescherung in Form einer Reise nach Südkorea ausfallen würde.

Das Arbeitspensum auf 50 Prozent reduziert

Wie ernst es Jasmin Näf mit dem Bobfahren ist, zeigt die Tatsache, dass die gelernte Köchin ihr Arbeitspensum auf 50 Prozent reduziert hat. «Ich habe meine Lehre im Spital Flawil absolviert und konnte dort bleiben.» Nun arbeitet sie im Sommer zu hundert Prozent, damit sie sich in den Wintermonaten auf den Bobsport konzentrieren kann. Die zeitlichen Einsätze im Europa- und Weltcup sind nämlich nicht zu unterschätzen. In der Vergangenheit war sie unter anderem in Norwegen, Frankreich, Italien, Deutschland und Österreich. Sollte trotzdem noch etwas Freizeit übrig bleiben, hilft sie ihrem Bruder Fabian, der mit seiner Familie einen Bauernhof im Herrensberg, der zur Gemeinde Lütisburg gehört, betreibt. Jasmin Näf, die früher beim Turnverein Lütisburg als Siebenkämpferin erfolgreich war, bezeichnet den dritten Platz im Europacup in Altenberg sowie den Sieg in St. Moritz als ihre bisher grössten Erfolge – beides schaffte sie in der Saison 2016/17.

Erste Erfahrungen sammelte sie als Pilotin mit zwei achten Rängen in Lillehammer. Pilotin deshalb, weil Sabina Hafner nach den Olympischen Spielen in Pyeongchang aufhören wird und Jasmin Näf in ihre Fussstapfen treten möchte. «Das ist gar nicht so einfach, denn der Wechsel von der Bremserin zur Pilotin ist auch mit finanziellen Aufwendungen verbunden.» Allein der Bob, den die Toggenburgerin von Sabina Hafner übernehmen könnte, kostet etwa 20000 Franken. Hinzu kommen die Kosten für das Material, den Transporter und die Kufen. Sie ist dankbar um die Unterstützung ihrer Familie und von Sponsoren und schätzt auch das Entgegenkommen ihres Arbeitgebers. «Weitere Sponsoren sind herzlich willkommen», sagt sie schmunzelnd.

Im Januar als Pilotin an die Junioren-WM

An der Einstellung fehlt es der 20-Jährigen nicht. Für ihren Traum trainiert sie mindestens viermal in der Woche und nimmt dafür viele Entbehrungen in Kauf. Kaum zurück aus Königssee, wo sie am letzten Wochenende im Europacup startete, nahm sie sich Zeit für das Gespräch, um am Montagnachmittag die 550 Kilometer lange Reise nach Winterberg anzutreten, wo am Wochenende bereits wieder Rennen stattfinden. Das langfristige Ziel als Pilotin ist mit den Olympischen Winterspielen 2022 in Peking fixiert. Kurzfristig möchte sie an der Junioren-WM Ende Januar als Steuerfrau in St. Moritz für Furore sorgen.


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