«An Unterstützung fehlt es nicht»

REGION ⋅ Als Fussballoberligaschiedsrichter wird bezeichnet, wer Spiele der höchsten beiden Ligen leitet. Früher kamen viele aus der Ostschweiz. Alex Fust, Präsident der Trainingsgruppe Wil-Toggenburg, erklärt, warum dies heute nicht mehr so ist.
12. Februar 2016, 06:41
URS NOBEL

Herr Fust, woran liegt es, dass die Schiedsrichtertrainingsgruppe Wil-Toggenburg schon lange keinen Oberligaschiedsrichter mehr stellen konnte?

Alex Fust: Sicher nicht an den Trainingsmöglichkeiten oder den gesellschaftlichen Anlässen, die unsere Trainingsgruppe bietet. Die Schiedsrichtertätigkeit verlangt von den Betroffenen sehr viel. Sie müssen im Beruf die Möglichkeit haben, ihr Hobby professionell ausüben zu können. Sie müssen aber auch Entbehrungen auf sich nehmen. Ich denke dabei an das Familienleben. Das können und wollen heute viele nicht mehr.

Seitens der Trainingsgruppe dürfen also ambitionierte Schiedsrichter auf die notwendige Unterstützung zählen?

Fust: Auf jeden Fall. Gefordert ist aber in erster Linie der Ostschweizer Schiedsrichterverband. Unsere Hauptaufgabe ist der gesellschaftliche Zusammenhalt. Ein Schiedsrichter findet bei uns Trainingsmöglichkeiten mit Gleichgesinnten und auch die Möglichkeit, gemeinsam an gesellschaftlichen Anlässen teilzunehmen. Ziel der Trainingsgruppe ist es nicht, möglichst vielen Schiedsrichtern zu einer steilen Karriere zu verhelfen, sondern dass wir es miteinander gut haben.

In der Ostschweiz kennt man die Talentförderungsgruppe. Bis in diese schaffen es einige. Doch dann ist plötzlich Schluss und aus. Sie kennen das aus eigener Erfahrung. Warum kommt das so?

Fust: Dann ist keineswegs Schluss und aus. Jeder, der den Sprung in die Oberliga nicht schafft und wieder zurück in die Region kommt, ist wertvoll. Er kann im regionalen Bereich seine Erfahrung einbringen und dem Fussball mit der gebliebenen Freude und dem Spass an der Schiedsrichterei einen grossen Dienst erweisen.

Ehemalige Schiedsrichter der Talentgruppe beklagen sich aber auch, dass sie wie Zitronen ausgepresst worden seien und nachher einfach fallengelassen. Mussten Sie dasselbe erleben?

Fust: Ich habe das nicht so erlebt. Aber es ist richtig: In der Talentgruppe wird natürlich versucht, das Maximum aus uns Schiedsrichtern herauszuholen. Dies aber immer mit dem Ziel, uns auch tatsächlich in der Entwicklung weiterzubringen. Ich empfand jedoch nie, dass ich wie eine Zitrone ausgepresst worden bin. Aber es ist sicher richtig, dass es nicht einfach ist, jedes Wochenende auf hohem Niveau ein Spiel zu leiten und nachher «knallhart» beurteilt zu werden. Doch das ist der Sport, unsere Schiedsrichterei. Damit muss man auch zurechtkommen.

Die Ostschweiz stellt mit Nicolaj Hänni gerade noch einen Schiedsrichter, der auf höchsten Niveau pfeift. Ist das nicht bedenklich für eine so grosse und starke Fussballregion?

Fust: Grundsätzlich ist es schön, dass die Ostschweiz überhaupt einen der besten Schweizer Fussballschiedsrichter stellen kann. Noch schöner wäre tatsächlich, wenn wir noch einen zweiten oder dritten hätten. Ich weiss aber auch nicht, woran es liegt, dass die Ostschweiz nur einen einzigen Oberligaschiedsrichter stellen kann.

Liegt es möglicherweise an der fehlenden Lobby?

Fust: Das ist fast eine Unterstellung. Ich glaube nicht, dass es daran liegt. Der Ostschweizer Schiedsrichterverband stellt in der Person von Claudio Bernold eine Person, die sich mit grossem Engagement um die Karriereplanung seiner betreuten Schiedsrichter kümmert. Aber ja, es wäre eventuell hilfreich, mehr Vertreter aus der Ostschweiz in jenen Gremien zu wissen, die Entscheidungen fällen.

Die Trainingsgruppe Wil-Toggenburg verfügt mit Ramon Lisci und Thomas Gemperle über zwei Hoffnungsträger. Was trauen Sie diesen beiden zu?

Fust: Viel. Beide verfügen über die Qualität, von der Promotionsliga einen nächsten Schritt zu machen.


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