Tagblatt Online, 18. Februar 2012 08:57:00
Ferienstreit: SP macht Druck
Sollte die fünfte Ferienwoche für jüngere städtische Angestellte eingeführt werden, brauchte es in jenen Abteilungen, die im Schichtbetrieb arbeiten, einige Angestellte mehr. Dazu gehören etwa die Busfahrer der VBSG. (Bild: Ralph Ribi)
SG.GALLEN. Fünf statt vier Wochen Ferien sollen städtische Angestellte haben. Doch die Bürgerlichen im Parlament werden die Extrawoche voraussichtlich versenken: Die SP droht mit dem Referendum.
URS-PETER ZWINGLI
Während auf der nationalen Politbühne darüber gestritten wird, ob alle Schweizer künftig sechs Wochen Ferien pro Jahr haben sollen, stapelt die St.Galler Politik tiefer: Angestellte der Stadt, die zwischen 21 und 44 Jahre alt sind, sollen künftig fünf statt vier Wochen Erholung pro Jahr bekommen. So jedenfalls steht es in der Vorlage zum totalrevidierten Personalreglement, die nächsten Dienstag vors Parlament kommt.
Doch dieses ist ob der Ferienfrage tief gespalten: Die Bürgerlichen haben die zusätzliche Ferienwoche bereits im Januar in der Geschäftsprüfungskomission (GPK) abgeschossen. Aufgrund der Mehrheitsverhältnisse im Parlament dürfte dessen Entscheid gleich ausfallen.
1700 Angestellte betroffen
«Wenn es soweit kommt, wird die SP-Fraktion sicher das Ratsreferendum anstreben», kündigt Bettina Surber, Präsidentin der SP Stadt St. Gallen, an. Für diesen Akt des Widerstands von linker Seite dürften die Chancen gut stehen (siehe Kasten).
Surber pocht darauf, dass mit dem totalrevidierten Personalreglement ein Kompromiss ausgehandelt worden sei. Dieser drohe nun aber hinfällig zu werden. Denn für das Zugeständnis der fünften Ferienwoche hätten die städtischen Angestellten akzeptiert, dass ihr Kündigungsschutz stark geschwächt werde.
Zudem seien fünf Wochen Ferien auch in der Privatwirtschaft «weitgehend Standard», sagt Surber. «Daran muss sich die Stadt anpassen, wenn sie ein fortschrittlicher Arbeitgeber sein will.» Vom Personalreglement sind 1500 städtische Angestellte und alle 200 Stadtpolizisten betroffen.
Mehr Ferien in der Krise?
GPK-Präsidentin Barbara Frei (FDP) hatte argumentiert, dass die Bevölkerung in wirtschaftlich «eher angespannten Zeiten» kein Verständnis dafür habe, dass die Verwaltung mehr Ferien erhalte. Allerdings dürften sich die Mehrkosten, wenn die fünfte Ferienwoche eingeführt werden sollte, in Grenzen halten: Das städtische Personalamt schätzt, dass rund acht zusätzliche Vollzeitstellen geschaffen werden müssten. Dies in Abteilungen, die in Schichtarbeit betrieben werden.
Kritik am GPK-Entscheid übten im Vorfeld die Gewerkschaft VPOD und der Personalverband der Stadt St. Gallen. Der VPOD hat gestern angekündigt, ein allfälliges Referendum zu unterstützen.
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