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Tagblatt Online, 18. Februar 2012 09:08:00

Frauenanteil dümpelt vor sich hin

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(Bild: ODILIA HILLER)

ST.GALLEN/GOSSAU.Im Wahlkreis St.Gallen-Gossau ist der Anteil kandidierender Frauen für den Kantonsrat massiv zurückgegangen. Die Mitteparteien beklagen mangelndes Interesse der Frauen, während die SP den Bürgerlichen sagt: «Selber schuld».

ODILIA HILLER

Am augenfälligsten ist es bei den Regierungsrätinnen: Von drei Frauen – Kathrin Hilber, Karin Keller-Sutter und Heidi Hanselmann – treten die ersten zwei nicht mehr an. Um ihre Nachfolge bemühen sich am 11. März drei Männer. Und keine Frau. Auch auf den Listen für den Kantonsrat, der ebenfalls am 11. März gewählt wird, ist der Anteil der kandidierenden Frauen rückläufig: Im Wahlkreis St. Gallen-Gossau beträgt er noch ein knappes Drittel. Bei den letzten Wahlen im Jahr 2008 waren es noch gut 38 Prozent kandidierende Frauen gewesen (siehe Grafik).

Der Blick auf die Wahllisten zeigt, dass die linken Parteien, denen das Thema Frauenförderung traditionsgemäss näher liegt, klar obenaus schwingen. Grüne und SP treten konsequent mit 50 und mehr Prozent Frauen an. Dies ist kein Zufall, sondern bei der wählerstärksten linken Partei, der SP, eine Vorgabe – und die Frucht harter Arbeit.

Schulterzucken reicht nicht

«Frauen sind für politische Ämter immer schwerer zu finden als Männer», sagt Claudia Friedl, St. Galler Kantonsrätin und Präsidentin der SP des Kantons St. Gallen. Und doch gelinge es ihrer Partei dank der Quote immer wieder, fähige Frauen zu motivieren und für politische Aktivitäten zu gewinnen. Erstmals seit langem tritt die SP bei den Kantonsratswahlen nicht mit einer eigenen Frauenliste an, sondern bringt alle Kandidatinnen und Kandidaten auf einer Liste. Dennoch ist die Präsidentin guten Mutes, dass wie bisher gleich viele SP-Frauen wie Männer den Kantonsrat gewählt werden. Claudia Friedl kritisiert die Mitte- und Rechtsparteien, welche ihrer Ansicht nach in der Frauenfrage ihre Hausaufgaben nicht machen. «Mit den Schultern zucken und sagen, wir finden halt keine Frauen, reicht einfach nicht», sagt sie. Für das Ratsgeschehen jedenfalls sei der niedrige Frauenanteil schade und «sehr, sehr traurig».

«Kein Ruhmesblatt»

Auffällig ist der Rückgang weiblicher Kandidierender im Wahlkreis der Hauptstadt vor allem bei der CVP und der EVP. Lukas Schmucki, Parteisekretär der kantonalen CVP, ist nicht entgangen, dass Parteien, die sich keine Quote auferlegen, in Sachen Frauenanteil tendenziell schwach dastehen. «Das ist kein Ruhmesblatt für die aktuelle Politik», sagt Schmucki. Dass der Anteil kandidierender Frauen bei der CVP im Wahlkreis St. Gallen-Gossau so zurückgegangen ist, sei sicher kein böser Wille. «Im Gegenteil, wir versuchen aktiv, politische Ämter mit Frauen zu besetzen, und bemühen uns ehrlich um dieses Thema.» Zum Teil sei der Rückgang schleichend gekommen. Doch immer wieder sei von Seiten der Frauen auch eine gewisse Zurückhaltung zu spüren, sich an Wahlkämpfen zu engagieren.

Barbara Eberhard, St. Galler Stadträtin und nicht wieder antretende CVP-Kantonsrätin, ergänzt, dass es für die heutige Generation von Frauen, die berufstätig sind und Kinder haben, oft schlicht nicht drinliege, sich auch noch aktiv in der Politik zu engagieren.

Prinzip Hoffnung bei der FDP

Auch Eva Nietlispach, in der vergangenen Kantonsrats-Legislatur die einzige gewählte FDP-Frau im Wahlkreis, tritt nicht mehr an. «Ich hoffe jedoch stark, dass ein bis zwei FDP-Frauen nachkommen», sagt sie. Bei ihrer Partei werde für die Frauen zwar nicht wahnsinnig viel getan, aber wenn man drin sei, könne man in der politischen Arbeit auf absolute Gleichberechtigung zählen. Das systematische Aufbauen von Kandidaten habe noch nie zur Kernkompetenz ihrer Partei gehört, was aber beide Geschlechter betreffe. Dennoch habe die FDP immer wieder das Glück, dass sehr brauchbare Kandidatinnen und Kandidaten bereitstünden.

SVP steigert Frauenanteil

Den Frauenanteil signifikant gesteigert hat im Wahlkreis St. Gallen-Gossau einzig die wählerstärkste Partei des Kantons, die SVP, von 15 Prozent im Jahr 2008 auf 20 Prozent im Jahr 2012. In Zahlen: Statt einer Frau und 14 Männern kandidieren diesmal 5 Frauen und 20 Männer. «Wir freuen uns über diese Steigerung», sagt Karl Güntzel, Kreispräsident der SVP. Man habe keine bewusste Frauenförderung betrieben, doch mit Claudia Martin aus Gossau und Sandra Steinemann aus Bernhardzell seien fähige Frauen mit guten Wahlchancen am Start.





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