Tagblatt Online, 18. November 2011 01:04:12
Mit Roadshow auf Heldensuche
Machen auf die Attraktivität der Pflegeberufe aufmerksam: Regierungsrätin Heidi Hanselmann und Mirco Schweitzer, Leiter Pflegeentwicklung der Spitalregion Rheintal – Werdenberg – Sarganserland. (Bild: pd)
Mit der Kampagne «Heldinnen und Helden gesucht» kämpft der Kanton St. Gallen gegen das drohende Personalproblem im Gesundheitswesen an. Die öffentliche Info-Tour «Neue Wege in der Pflege» macht am Montag Halt in Widnau.
Frau Hanselmann, mit der aus Aktionen, Plakaten, Inseraten und Werbespots bestehenden Kampagne ging der Kanton St. Gallen neue Wege, um auf das drohende Personalproblem im Gesundheitswesen (das im Übrigen die ganze Schweiz betrifft) aufmerksam zu machen. Was wurde seit Beginn im Herbst 2010 konkret erreicht?
Regierungsrätin Heidi Hanselmann: Es ist gelungen, viele Personen neugierig auf das vielfältige Berufsangebot im Gesundheitswesen zu machen. Die vielen Zugriffe auf die keck gestaltete Homepage und aktiven Anfragen zeigen, dass Ausbildungsmöglichkeiten für Schulabgänger wie auch für Quer- und Wiedereinsteigende, sei dies im Bereich der Pflege, des Rettungsdienstes, Operationssaals, Labors oder der Radiologie, interessieren.
Was ist das Ziel der am Montag in Widnau gastierenden Roadshow «Neue Wege in der Pflege»?
Hanselmann: Wir wollen Direktinteressierte, Lehrkräfte, Laufbahn- und Berufsberatung sowie Eltern im Dialog ansprechen. Ihnen konkret aufzeigen, dass die neue Bildungssystematik mit der Philosophie «kein Abschluss ohne Anschluss» gelebt wird, und wir möchten die Gäste als unsere Botschafterinnen und Botschafter gewinnen.
Infotainment lautet das von Beat Antenen entwickelte Konzept, mit dem nach Start im Frühling dieses Jahres bis Ende 2012 noch durch den ganzen Kanton getourt werden soll. Worin liegt der Erfolg?
Hanselmann: Die Roadshow bringt Menschen mit verschiedenen Biographien und Ansichten zusammen und ermöglicht, sich in einer guten Stunde umfassend zu informieren. Pflegefachpersonen berichten über ihren Alltag, der in der Geriatrie ganz anders aussieht als in der Spitex oder auf der Intensivstation. Experten stellen Berufsbilder vor und berichten über ihre Karrieremöglichkeiten. Aus Patientinnensicht berichtet unter anderem Maria Walliser über ihre Erfahrungen als Mutter einer schwerkranken Tochter. Im Ganzen offenbart sich noch einmal, was hinter den Begriffen «Held» und «Heldin» überhaupt steckt und gemeint ist.
Mirco Schweitzer, Sie sind als Leiter Pflegeentwicklung der Spitalregion Rheintal – Werdenberg – Sarganserland eingeladen. Worüber werden Sie in der Roadshow sprechen?
Mirco Schweitzer: Vor allem über die Vielfalt an Berufsfeldern im Spital. Der Personalbedarf und mein eigener beruflicher Werdegang waren ebenfalls schon Themen.
Was würden Sie als die wichtigste Veränderung in den Pflegeberufen bezeichnen?
Schweitzer: Sicherlich der Bereich Aus- und Weiterbildung. Der Berufseinstieg ist heute entweder über einen eher praxisgestützten Weg möglich oder über einen schulischen Weg. Zentral dabei ist die Durchlässigkeit und Anbindung zwischen den verschiedenen Wegen. Auch die Vielfalt an Weiterbildungsmöglichkeiten ist sehr gross – und damit attraktiv. Die Möglichkeit, dass das Pflegefachpersonal studieren kann, ist ebenfalls gegeben. Damit ergeben sich neue Aufgabenfelder, Einsatz- und Karrieremöglichkeiten.
Gibt es konkret Personal, das sich aufgrund der Kampagne bereits gemeldet hat?
Schweitzer: Bis jetzt nicht. Bei uns sieht es so aus, dass die Nachfrage für einen Ausbildungsplatz Fachfrau oder Fachmann Gesundheit grösser als das Angebot ist. Für die Ausbildung zur Pflegefachfrau oder zum Pflegefachmann HF suchen wir immer interessierte und geeignete Persönlichkeiten.
Ihr Engagement gegen den drohenden Personalmangel ist sehr hoch und persönlich geprägt, weder sind Sie sich zu schade für die Mitwirkung im TV-Spot «Xundheit» noch für die Möglichkeit, an der Roadshow persönlich zu werben. Welche Motivation steckt dahinter?
Hanselmann: Eine sichere und qualitativ hochstehende Gesundheitsversorgung zugunsten unserer Bevölkerung ist mir ein echtes Herzensanliegen. Denn gute Gesundheitspflege bedeutet Lebensqualität und davon profitieren schliesslich alle.
Interview: Maya Schmid-Egert
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