Randale wird für Fussballfan teuer

Das Kreisgericht St. Gallen hat einen Fussballfan verurteilt, weil er sich mitten zwischen Randalierern aufhielt und Hassparolen gegen die Polizei ausstiess. Der junge Mann konnte den Schuldspruch nicht verstehen.
04. April 2015, 02:46
CLAUDIA SCHMID

ST. GALLEN. Einmal mehr befasste sich das Kreisgericht St. Gallen mit dem Fussballspiel zwischen dem FC St. Gallen und den BSC Young Boys vom 4. Mai 2013. Damals kam es im Gästesektor der AFG Arena kurz nach 19 Uhr zu massiven Sachbeschädigungen an den WC-Anlagen und zu Ausschreitungen im Eingangsbereich. Der Schaden wurde auf rund 30 000 Franken beziffert.

Hassparole skandiert

Einem 21-jährigen Fussballfan wurde nun vorgeworfen, er habe sich inmitten der gewaltbereiten Fans der Berner Young Boys vor dem Notfalltor aufgehalten und sich an den gegen die Sicherheitskräfte gerichteten Parolen beteiligt. Die Staatsanwaltschaft schickte ihm einen Strafbefehl, in dem sie ihn wegen Landfriedensbruchs anklagte und eine bedingte Geldstrafe aussprach. Dagegen wehrte sich der Beschuldigte am Donnerstag vor dem Kreisgericht St. Gallen. Er habe nichts mit Gewalt am Hut, sondern gehe an ein Fussballspiel, um einen guten Match zu sehen. Er sei erschrocken, als er gemerkt habe, dass unmittelbar neben ihm eine Randale ausbreche, habe aber nicht gewusst, wohin er ausweichen solle. Er habe sich die Mütze ins Gesicht gezogen und den Schal um Nase und Mund gebunden, um sich vor dem Pfefferspray der Polizei zu schützen. Die Parole gegen die Sicherheitskräfte habe er skandiert, weil ihn das Brennen der Augen wütend gemacht habe. Der Verteidiger forderte für seinen Mandanten einen Freispruch. Er selber sei Fussballfunktionär und stelle sich gegen jegliche Ausschreitungen an Fussballspielen. Gewaltausbrüche seien nicht tolerierbar, Hassparolen gegen Sicherheitskräfte inakzeptabel und Pyros wegen ihrer Gefährlichkeit für die anwesenden Leute strikte zu verbieten. Die Gewaltbereitschaft der Randalierer sei zu ahnden und zu bestrafen. Jedoch dürfe man bei der Verurteilung von Fussballfans das Augenmass nicht verlieren. Es gehe nicht an, dass wahllos Leute angeklagt würden, die lediglich zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort gewesen seien. Sein Mandant habe mit dem gewaltbereiten Mob nichts zu tun. Die Hassparole habe er nur ausgestossen, weil ihn der Pfefferspray in den Augen gebrannt habe. Wer jemals eine Ladung der beissenden Substanz abbekommen habe, wisse, wie aggressiv einen der Schmerz machen könne.

Die Parole gegen die Sicherheitskräfte sei weder schlau noch intelligent gewesen, könne aber nicht zum Schuldspruch wegen Landfriedensbruchs führen. Für den jungen Fussballfan stehe viel auf dem Spiel. Erhalte er eine Verurteilung, könne es sogar sein, dass er vom Militär ausgeschlossen werde.

Video als Beweis

Das Kreisgericht St. Gallen folgte der Argumentation des Verteidigers nicht. Es verurteilte den 21-Jährigen wegen Landfriedensbruchs zu einer bedingten Geldstrafe von 50 Tagessätzen à 20 Franken, die aber als gemeinnützige Arbeit vollzogen werden kann. Die Probezeit beträgt zwei Jahre. Die Videoaufnahmen zeigten klar, dass der junge Fussballfan die Zeit und die räumliche Möglichkeit gehabt habe, sich vom Ort des Geschehens zu entfernen, begründete der Einzelrichter das Urteil. Die Teilnahme an einer Randale sei Landfriedensbruch, auch wenn man sich nicht selber der Sachbeschädigung oder der direkten Gewaltausübung schuldig mache. Das aggressive Skandieren der Hassparole deute klar darauf hin, dass der Beschuldigte nicht nur ein Gaffer, sondern Teil des Mobs gewesen sei. – Der Fan konnte das Urteil nicht verstehen. Es kommt den Lehrling teuer zu stehen. Er muss nicht nur die Verfahrens-, sondern auch die Anwaltskosten berappen.


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