Warten auf die Doppeldecker

KANTON ST.GALLEN ⋅ Postauto Ostschweiz nimmt im Mai in St. Gallen den ersten von 19 neuen Doppelstockbussen in Betrieb. Die Doppeldecker aus Grossbritannien sind schweizweit eine Premiere.
21. April 2017, 08:02
Christoph Zweili
Seit 1995 gehören doppelstöckige Linienbusse nicht mehr nur in den Metropolen dieser Welt wie London oder Berlin zum Strassenbild, sondern auch auf verschiedenen Linien in der Ostschweiz – vor allem im Grossraum St. Gallen. 19 dieser Doppelstöcker sind derzeit in den Kantonen St. Gallen und beiden Appenzell unterwegs.

Nun sollen die in die Jahre 
gekommenen Fahrzeuge ersetzt werden: Am Montag wollte Postauto Schweiz den ersten Doppelstöcker einer neuen dritten Generation in St. Gallen präsentieren. Daraus wird nun aber nichts, wie Mediensprecher Urs Bloch einräumt: «Der Termin war zu ehrgeizig angesetzt.» Die 13 Meter langen und vier Meter hohen dreiachsigen Busse vom Typ Enviro 500 müssten im Fertigungswerk im südenglischen Guildford noch letzte technische Hürden nehmen. «Sie können ihre Reise vom britischen Hersteller Alexander Dennis Limited nach St. Gallen frühestens im Mai antreten.»

Die meisten Exemplare dieses Typs werden nicht für den britischen Heimmarkt gebaut, sondern für Betriebe in Übersee. Verbreitet sind sie in den USA und in einst britisch geprägten Staaten und Städten von Kanada bis nach Singapur und Hongkong, wo jeweils mehrere Hundertschaften von ihnen unterwegs sind.

Erster Doppeldecker auf der Linie St. Gallen–Heiden
Bisher hatte Postauto die Doppelstockbusse stets bei einer deutschen Firma bestellt, «doch die stellt die Fahrzeuge nicht mehr her», sagt Bloch. Die neuen Doppelstöcker sind nicht nur für 
Postauto, sondern auch für die Schweiz eine Premiere – für den Postauto-Einsatz in der Schweiz werden sie etwas niedriger gebaut.

Die Doppeldecker aus Grossbritannien werden wie bisher in drei Regionen der Ostschweiz eingesetzt. Hauptlinie bleibt Engelburg–St. Gallen–Heiden, wo Postauto auch die ersten Doppelstöcker ersetzt, die übrigen werden in den Regionen Rorschach, Goldach und im Obertoggenburg fahren. Auf diesen Strecken sind viele Fahrgäste unterwegs. «Die 33 Gelenkbusse in unserer Flotte sind sechs Meter länger und ihr Einsatz auf diesen kurvenreichen Strassen ist im Winter schwieriger.»

Die Passagiere profitierten mit den neuen Bussen vom umgekehrten Verhältnis bei den Steh- und Sitzplätzen gegenüber den Gelenkbussen: In den Doppeldeckern mit neu 80 Sitz- und 48 Stehplätzen finden zwei Drittel der Passagiere einen Sitzplatz – «ein Vorteil gerade für mittlere Distanzen».
Der Komfort hat seinen Preis: Mit je rund 600 000 Franken sind die Fahrzeuge etwa ein Drittel teurer als Gelenkbusse. Bei Postauto sind ausserhalb der Ostschweiz nur noch fünf Doppelstöcker unterwegs: vier in Graubünden und einer in der Zentralschweiz.

Ende 2016 hatte Postauto 259 Fahrzeuge in der Ostschweiz im Einsatz. Die Verzögerung bei der Auslieferung der neuen Fahrzeuge sei kein Problem, sagt Bloch. Man setze jetzt den Termin für die Inbetriebnahme und die Probefahrt neu an.

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