Wirtepaar in St.Galler Tal eingeschneit

KANTON ST.GALLEN ⋅ André und Anne Reihle stehen vor ihrer ersten Saison in St.Martin. Ihren Neuanfang hatten sie sich anders vorgestellt. Im eingeschneiten Calfeisental sind sie von der Umwelt abgeschnitten.
21. April 2017, 06:22
Arcangelo Balsamo

 

Abgeschottet von der Zivilisation, eingeschneit und dennoch keine Spur von Langeweile oder Frust. «Wieso auch? Ich und meine Ehefrau erleben die ganze ­Situation wie ein Abenteuer. Ausserdem sind wir hier in einer sehr schönen Region», sagt An­dré Riehle, der mit seiner Frau Anne seit gut zwei Wochen in der Walsersiedlung St. Martin im Calfeisental lebt. Das Ehepaar, das es aus dem Schwarzwald in die Ostschweiz zog, hat im Dorf kürzlich gemeinsam mit vier Investoren das Restaurant und Hotel Sankt Martin gekauft.Dieses wollen sie am 1. Mai in Betrieb nehmen. Um alles vorzubereiten, waren über das Wochenende grössere Arbeiten geplant. Dafür wären rund 15 Helfer nach St. Martin gekommen. Doch da derzeit die Zufahrtsstrasse zur Siedlung gesperrt ist, kann niemand aus dem Dorf raus oder rein. Besonders wenn der Neuschnee zu schmelzen beginne, sei die Gefahr gross, von einer Lawine zugeschüttet zu werden, sagt André Riehle. So sei dem Paar nichts anderes übriggeblieben, als das geplante Arbeitswochenende abzusagen und sich dem Inneren des Gasthauses zu widmen. Gestern sei der Gastraum an der Reihe gewesen. Trotz der speziellen Umstände ist das Paar optimistisch, den Eröffnungstermin einhalten zu können. «Es wird zwar knapp, aber es sollte sich ausgehen.»

Die beiden seien aus dem Schwarzwald zwar Schnee gewöhnt, aber eine solche Situation wie aktuell hätten sie noch nie erlebt. «Es fühlt sich ein wenig an, als seien wir hier in den Ferien.»

Wanderung auf den Brändlisberg

Zusammen mit seiner Frau ist er vorgestern auf die Alp Brändlisberg gestiegen. «Es war richtig anstrengend.» Doch der Aufstieg sei nötig gewesen. «Wir haben dort oben dafür gesorgt, dass die Quellfassung eisfrei bleibt.» Bilder des abenteuerlichen Aufstiegs im Schnee findet man auf Facebook. Der Quelle verdankt das Paar, dass es derzeit mittels Turbine Strom und Wasser hat. Während des Aufstiegs genossen die beiden die Schneelandschaft und wurden ausserdem von einem gefiederten Bewohner der Region begleitet. «Ein Bartgeier kreiste über uns. Es war der Wahnsinn.»

Neben Strom und fliessendem Wasser haben die beiden für den Moment auch noch genug zu Essen und zu Trinken. «Zumindest bis am Wochenende sollte es reichen.» Dann hoffe André Riehle, dass er zumindest zu Fuss aus der Siedlung könne. «Am Morgen, wenn noch alles gefroren ist, sollte dies unter Umständen möglich sein. Ansonsten brauchen wir einen Helikopter, der uns Verpflegung liefert.»

Die Zufahrtsstrasse werde hingegen frühestens am Dienstag geräumt, liess die Axpo das Paar wissen. Bis dahin werden sie in St. Martin verweilen müssen und weiter staubsaugen und putzen, so dass zumindest das Innere des Gasthauses bereit ist, bevor in zehn Tagen bereits die ersten Gäste beim Wirtepaar im Calfeisental eintrudeln.


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