NZZ Online, 02. Februar 2012 17:33:00
Rudi Völler positioniert sich
Der Leverkusener Sportchef erinnert Michael Ballack an seine Pflichten – und droht dessen Berater
Bayer Leverkusens Sportchef Rudi Völler hat sich in der Causa Michael Ballack eingeschaltet. Er erinnert den 35-Jährigen an seinen Status als Angestellten – und droht dessen Berater Michael Becker für den Fall des Falles mit Stadionverbot.
wan. Bei der vom Bayer-Konzern im Sommer 2010 vorgenommenen Finanzierung der Rückkehr von Michael Ballack zum hauseigenen Werksklub spielten wirtschaftliche Überlegungen eine wesentliche Rolle. Ballack als Aushängeschild – so war es gedacht. Die Präsenz des Konzernnamens in den internationalen Medien würde gesteigert – so war es erhofft. Kolportierte zwölf Millionen Euro Salär liess man sich die auf zwei Jahre angelegte Verpflichtung des mittlerweile 35-jährigen Ballack kosten.
Drohungen Völlers
Nun, Anfang Februar 2012, lässt sich eine weit überdurchschnittliche Medienpräsenz des früheren Captains der deutschen Nationalmannschaft durchaus konstatieren, aber im Sinne des Bayer-Konzerns fällt sie längst nicht mehr aus.
Am Donnerstag hat auch Leverkusens Sportchef Rudi Völler an einer Pressekonferenz eine dezidierte Stellungnahme in Richtung Ballack und dessen Berater Michael Becker abgegeben: «Ich erwarte von Michael, dass er sich selbst äussert und nicht seinen Berater vorschickt, der Jurist ist und meint, die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben», sagte Völler. Und weiter: «Becker hat die dunkelgelbe Karte bekommen. Es wird nicht mehr passieren, dass er uns als Klub angreift. Sonst ist er das letzte Mal bei uns im Stadion gewesen.»
Warum die harschen Töne? Becker hatte die von Klub-Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser verlautbarte Bilanz zu Ballacks Schaffenskraft – in der die Rückholung des Spielers nach Leverkusen als Fehler abgetan worden war – als «billigen Trick» bezeichnet, «um von den eigenen Problemen mit dem Trainer abzulenken. Michael ist doch nur das Bauernopfer.»
«Alles für Bayer»
Rudi Völler war bisher stets ein Fürsprecher Ballacks in Leverkusen gewesen, aber diese allzu laxe Aussage Beckers hat ihn nun offenbar aus der Reserve gelockt. Völler hegt aber durchaus auch noch Sympathien für seinen eigenwilligen Angestellten von Weltruf; er hatte Ballack einst in der Nationalmannschaft zur Führungskraft geformt. Ballack habe «einen richtig tollen Charakter, aber das kommt manchmal nicht so rüber», sagte Völler auf der Pressekonferenz weiter. Er riet Ballack, daran zu arbeiten. Er erwarte jetzt jedenfalls, dass Ballack «alles für Bayer Leverkusen tut.»
Ob Ballack der Empfehlung gegen Hoffenheim am Samstag wird nachkommen können, ist offen. Im Match in Bremen in der Vorwoche war er vom umstrittenen Coach Robin Dutt nicht berücksichtigt worden. Nicht einmal für eine Minute.
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