Tagblatt Online, 22. Februar 2012 01:04:00
Welke Wüstenrose
KOPF DES TAGES
Syrian president Bashar al-Assad's wife Asma gestures as she speaks at the Bristol hotel on December 11, 2010 in Paris. Al-Assad is on a two-days official visit to France. AFP PHOTO MIGUEL MEDINA (Bild: MIGUEL MEDINA (AFP))
In einer E-Mail an die Londoner «Times» hat sie kürzlich erstmals Stellung genommen seit Beginn des Aufstands in ihrem Land, wo die Armee und Milizionäre mit aller Härte gegen die Rebellen vorgehen und bereits Tausende Menschen getötet haben. Asma al-Assad, die Frau des syrischen Präsidenten. Des Präsidenten «aller Syrer und nicht nur eines Teils des Volks», wie sie schrieb. Um anzufügen: «Und ich als First Lady unterstütze ihn dabei.» Oppositionelle verpassten der First Lady daraufhin auf der gehackten Internetseite www.asma assad.com ein neues Image. Jenes der Gattin eines brutalen Kriegsverbrechers, einer Verehrerin von Hitler und Elena Ceausescu.
Die ihr Haar stets offen trägt
Dabei galt die 37-Jährige einst als strahlende Botschafterin Syriens. Als Hoffnungsträgerin für ein modernes, weltoffenes Syrien. Asma, deren Jugendfreundinnen sie «Emma» nannten, wuchs als Tochter eines angesehenen syrischen Herzspezialisten und einer Diplomatin der syrischen Botschaft in London auf. Sie studierte Informatik und französische Literatur und arbeitete in London, Paris und New York als Finanzanalystin. Ehe sie im Jahr 2000 Bashar al-Assad heiratete, um dem gemäss «Tages Anzeiger» «etwas drögen Mann jenen Sexappeal zu verleihen, von dem auch schon Prinz Charles neben Lady Di profitierte». Die wohl geschickt arrangierte Ehe zwischen der Sunnitin und dem Alawiten sollten Bashar zum besagten Präsidenten aller Syrer machen.
Asma: jung, elegant, fotogen, westlich. Asma, die ihr Haar stets offen trägt und nach der Hochzeit in Jeans und T-Shirt allein durch Syrien reiste. Und danach die erste NGO des Landes gründete, die sich um rückständige ländliche Gebiete kümmerte. Vor dem Aufstand vermittelte Asma Mikrokredite an Arme, rückte vergessene Kulturschätze ins Rampenlicht. Für ihr Engagement wurde sie 2008 von der Arabischen Liga prämiert. Ihr Ansehen war gross. Die französische Illustrierte «Paris Match» bezeichnete sie gar als «Licht in einem Land voller Schatten». Ins beste Licht gerückt wurde die Diktatorengattin im März vergangenen Jahres – als der demokratische Aufstand in Syrien bereits begonnen hatte – auch im Modemagazin «Vogue». Der Titel: «Asma al-Assad, eine Rose in der Wüste». Im Frühling von Damaskus, der zu Ende war, bevor er richtig begonnen hatte, ist die «Wüstenrose» verwelkt. Mittlerweile titeln die Zeitungen «Die wohltätige Frau des Schlächters» und «Assads treuste Gefährtin».
Fluchtversuch mit Kindern
In dieser Rolle ist es Asma wohl doch nicht mehr ganz geheuer. Ende Januar soll sie gemäss einer ägyptischen Zeitung einen Fluchtversuch mit ihren drei Kindern unternommen haben. Angesichts ihrer Gleichgültigkeit gegenüber der syrischen Tragödie nannte sie die französische Zeitschrift «Courrier International» «La Marie-Antoinette de Damas».
Die französische Königsgattin endete allerdings in der Revolution wie ihr Gemahl Ludwig XVI auf dem Schafott. (jag)
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