Tagblatt Online, 29. Juli 2010 01:03:22
Die Säntis-Sieger
1. Preis: «Säntis mit Hut», Urs Oberli, St. Gallen.
Der Säntis ist der Ostschweizer Berg – ob mit Hut, mit Technik, mit Tier, mit Abendstimmung. 180 Leserinnen und Leser nahmen am Tagblatt-Fotowettbewerb teil: Die Jury hat über 500 Bilder beurteilt – und die Sieger bestimmt.
Sein Blick ist häufig auf den Boden gesenkt – auf der Suche nach Fossilien. Der St. Galler Urs Oberli ist paläontologischer Präparator – und Gewinner des Tagblatt-Wettbewerbs «Der andere Säntis». Seine Aufnahme zeigt keine Versteinerung, vielmehr den Berg von der noblen Seite, den «Säntis mit Hut» – «die Aufnahme entstand aus unserem Schlafzimmerfenster», sagt Oberli.
Die Schichten des Säntis
Der Säntis fasziniert Oberli – wegen der Fossilien. «Ich bin daran, eine Fossiliensammlung aus den 90 bis 140 Millionen Jahre alten Säntisschichten für eine paläontologische Ausstellung aufzubauen», sagt er, «eine populär-wissenschaftliche Präsentation.»
In zehn Schichten will er den Säntis scheibeln – und in Vitrinen zeigen. Eine erste ist realisiert und steht auf dem Gipfel – mit Seeigel. Oberli hat ihn aus hartem Stein freipräpariert.
Die Ideen für die neun weiteren Vitrinen hat er im Kopf – seine Intention: «Der Säntis hat Profil.» Das möchte er der Bevölkerung aufzeigen und zugänglich machen. «Das Projektbuch liegt bei den Säntis-Bahnen», sagt er. Gut möglich, dass seine Schichtenausstellung dereinst am Fuss des Berges gezeigt wird; das Projekt für das neue Gasthaus auf der Schwägalp heisst ebenfalls «Schichten».
«Hat der Säntis einen Hut…»
Und was macht die Aufnahme von Oberli zum Siegerbild? Die Symmetrie, das Licht – und eben der Hut. Zum markanten Wolkenbild gibt es eine Bauernregel. «Hat der Säntis einen Hut, bleibt das Wetter gut», zitiert Fotograf und Jurymitglied Herbert Maeder. «Eine aussergewöhnliche Aufnahme. Ich wünsche mir seit Jahren, so eine wäre mir auch gelungen.» Überhaupt, sagt der Fotograf, nach der Durchsicht der über 500 Bilder: «Es ist gutes Material zusammengekommen.»
Die Augen öffnen
So gutes, dass der Jury der Entscheid nicht leicht fiel und Jurymitglied Hans Höhener Kraft seines Amtes – er ist Verwaltungsratspräsident der Säntis-Schwebebahn AG – die Gewinnsumme spontan für drei dritte Plätze ausdehnte. Die Sieger erhalten Gutscheine der Säntis-Bahn. Der Jury gehörten ferner Gertrud Weitz, Kommunikationsfachfrau bei der Rorschacher E,T&H Werbeagentur, und Ralph Ribi, Tagblatt-Fotochef, an.
«Ein Zauber von Alpen und Sturm», kommentiert Herbert Maeder die zweitplazierte Schwarzweissaufnahme. Wohltuend in der heutigen Welt mit ihrer Flut immer noch zahlreicherer und noch bunterer Bilder. Er habe immer die Schönheit der Landschaften und Berge zeigen wollen – und hat so wohl manchem die Augen dafür geöffnet.
In Oberli hat Maeder einen Verbündeten. «Ich muss nicht jedes Fossil am Wegesrand ausgraben», sagt er. «Ich kann auch ohne Hammer Fossilien suchen – mit dem Fotoapparat.» Regula Weik
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