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Tagblatt Online, 17. Oktober 2011 13:21:00

Die Olma nach der Olma lockt auch Opas

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Kein Durchkommen mehr im Olma-Ausgang in der Tonhalle – und auch im Fondue-Stübli ist es gar nicht so einfach, einen Platz zu ergattern. (Bild: Bilder: Benjamin Manser)

Der Wechsel von der Arbeitswelt in den Trubel ist anspruchsvoll. Noch befremdet es, dass an der Olma-Haltestelle eine Frau auf dem Trottoir tanzt. Auch in der angeregten Menge vor den Degustationshallen wiegt der Promille-Rückstand schwer. Es ist kurz vor 19 Uhr, und es geht um die Olma nach der Olma, für Opas und Omas. Im «Unteren Brühl» sei einiges los. Doch keine Menschenmasse, die sich dorthin bewegt. Im Fondue-Stübli wird klar, warum: Die Leute sind schon da, sie haben reserviert. Zwei Plätze sind noch knapp zu erhaschen.

Der ehemalige Militärkollege

An der Olma trifft man Menschen, die einem lange nicht mehr begegnet sind. Gleich am Nebenplatz sitzt Werner. Geschätzte 35 Jahre dürften vergangen sein, seit der Militärkollege das letzte Mal meinen Weg kreuzte. Sein verträumter Blick, sein schelmisches Lachen, unverkennbar Werner. Nur: Er erkennt mich nicht. Er erhält eine Chance. Erst als der Wein serviert wird, sage ich: «Prost Werner!» Der Zwanziger fällt, als ich meinen Name nenne. Der Rest ist jedem vertraut: «Was, Fredi Kurth!» Dann frohe Reminiszenzen, neugierige Fragen. Was machst du jetzt? «Heutzutage ssou…ufe ich vor allem.» Der Lärm im Fondue-Stübli verschlingt die Worte. «Was, saufen?» «Nein, golfen.»

Das Fondue-Stübli heisst offiziell «Cave vaudoise». Das Personal ist offensichtlich französischsprachiger Abstammung, und die Waadtländer beweisen, dass ein sämiges Fondue nicht unbedingt von Wallisern gerührt sein muss. So wie auch Zürcher eine feine Bratwurst hinkriegen. Sorry. Der Promille-Rückstand wird kleiner.

Schichtwechsel bei den Gästen. Nebenan sitzt nun ein Paar, das gefühlt von jedem zweiten Neuankömmling freudig begrüsst, umschlungen oder verküsst wird. Einer rät den beiden gar, in der kommenden Nacht für ein Kind zu sorgen. Er untermalt seinen Ratschlag mit dynamischer Gestik. Er soll Dachdecker sein, und sein Motto laute: «Ich decke auch Dächer.» Erstaunlich, wie ausgelassen St. Galler sein können, sobald die Olma ausbricht.

Der Festzelt-Chef aus Australien

Mit vollem Bauch weichen wir dem «Walliser Stall» besser aus und wechseln ins Festzelt. Dort ist das Publikum altersmässig stärker durchmischt als im Fondue-Stübli. Die Mürztaler spielen «Love is in the air». Doch dahergeflogen kommt Heinz Frunz, der ehemalige «Marktplatz»-Pächter. Er ist Chef hier, obwohl er seit fünf Jahren in Brisbane/Australien eine Café-Bäckerei führt. Drei Monate im Jahr lebt er in St. Gallen.

Doch schon ruft «Wetzis Trübli» im Waaghaus. Der sonst düstere Durchgang ist umgebaut zu einer volkstümlichen Beiz mit dem wohl ältesten Publikum an der Olma. Zur Musik der Alpen-GmbH bewegen einige das Tanzbein, so gut es geht. Dann erfahren wir, dass auch bei «Netts» einiges los sei. Doch dafür reichen die Kräfte eben nicht mehr. Die Promille… Fredi Kurth





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