Tagblatt Online, 19. Oktober 2011 07:49:00
Der Olma-Stallwärter
KOPF DES TAGES
Der Olma-Stallwärter
Beherzt schiebt Köbi Frick die Kuh zur Seite. Rasch greift er mit beiden Händen in den Wagen und streut das eben zubereitete Mischfutter in den Trog. «Das ist abwechslungsreicher», lacht der 23jährige Stallwärter in Halle 7, «wir essen ja auch nicht gern nur Herdöpfel.»
Der Herisauer Landwirt ist bereits zum fünften Mal als Tierbetreuer bei der Olma dabei. 2006 rief ihn überraschend der Stallchef an, ein Kollege war durch einen Unfall kurzfristig ausgefallen. Frick überlegte nicht lange, sagte zu – und wurde vom Olma-Fieber gepackt. Seitdem opfert er seine Ferien für die Messe. Im Stall Halle 7 gefällt es ihm, «die Kühe leben hier wie im Paradies». Für ihn sei der Tag strenger, morgens um 4.30 Uhr klingelt der Wecker im Massenschlaflager unter der Arena, die Tiere wollen versorgt werden. Seine Aufgabe ist in diesem Jahr das Füttern. Jeden Tag mischt er Zuckerrübenschnitzel mit Maiswürfeln, Mineralstoffen, Hafer, Melasse, Ausgleichsfutter, Luzerne und Proteinkonzentrat und füllt dreimal die Futtertröge. Den Kühen schmeckt's, mit langer Zunge stibitzt die eine oder andere aus dem vorbeifahrenden Futterwagen die «Leckereien».
Landwirt mit Leib und Seele
Die Arbeit mit den Tieren bereitet Köbi Frick sichtlich Freude. Auf einem Bauernhof am Rand von Herisau aufgewachsen, war Landwirt von Kindesbeinen an sein Traumberuf. Sein Vater und auch sein Grossvater waren Bauern, den grossväterlichen Hof führt inzwischen einer von Fricks Cousins. Auch Köbis Mutter kommt aus einer Bauernfamilie – man könnte fast schon von einem Landwirte-Gen sprechen. Seine Freundin stammt von einem Bauernhof, und wer weiss, vielleicht führen die beiden einmal zusammen den elterlichen Hof. Den übernimmt der 23-Jährige zum ersten Januar – er freut sich riesig, endlich sein eigener Herr zu sein auf dem Pachthof. Er bedauert, dass er dann nicht mehr als Stallwärter bei der Olma sein kann. «Die Olma-Familie wird mir fehlen», aber die eigenen 25 bis 30 Milchkühe und 20 Hektar Wiesland brauchen ihn. Und er möchte nicht mit leerem Hosensack dastehen als Jungbauer, eine Aushilfe für seine Abwesenheit ist teuer.
Alp-Traum und Sensen-Freude
Er träumt von einem eigenen, nicht gepachteten Hof – mit allen Vor- und Nachteilen. Und das «Tüpfli auf dem i wäre eine eigene Alp». Während vier Sommer war er als Senner angestellt auf verschiedenen Alpen im Alpsteingebiet und genoss das Älplerleben. Im Moment kann er nur sein Jungvieh auf die Genossenschaftsalp geben, und für die Sennentätigkeit fehlt ihm die Zeit.
Wenn er nicht gerade an der Olma arbeitet oder wie dieses Jahr auf dem Zuger Stiermarkt und der elterliche Hof es zulässt, geht er gerne im Alpstein wandern. Oder im Winter skifahren. Gross in die Ferien fahren mag er nicht, «ich war noch nie am Meer, das sagt mir nichts», lächelt der Herisauer. Als Ausgleich zur täglichen Arbeit geht er im Sommer gerne handmähen mit der Sense, das sei sein Hobby. Bei den diesjährigen Schweizer Meisterschaften wurde er Dritter und durfte mit zur Europameisterschaft nach Slowenien, dort lief es für ihn aber nicht so rund. Doch er sei nicht enttäuscht, es mache einfach Spass. Noch mehr Freude bereitet ihm das alljährliche Silvesterchlausen daheim. Zusammen mit sechs Cousins ziehen sie im «Groscht» als «Schö-Wüeschti» von Hof zu Hof: «Dieses Brauchtum leben ist mir wichtig, ich habe es wohl im Blut.» So, wie er auch den Umgang mit Tieren im Blut hat – auf der Olma in Halle 7 täglich zu erleben. (miz)
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