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Tagblatt Online, 21. Oktober 2011 07:02:00

Afrikanisches Herz schlägt fürs Kochen

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Singend und tanzend verpflegt Néné ihre Gäste an der Olma. (Bild: Laura Mäder)

Laura Mäder

In einem Seitengässchen des Olma-Jahrmarkts, ganz unscheinbar und klein verbirgt sich in einem weissen Zelt ein Stück Afrika. Rauchwolken verdeutlichen, was die Nase riecht: Hier wird gekocht. Und zwar ausnahmsweise mal nicht Pommes oder Pizza. Die 45jährige Ursula Gueye verkauft afrikanische Spezialitäten, sehr zur Freude von vielen Besuchern. Besonders ihre Kokosbällchen kämen super an: «Sogar die ganz alten Menschen fragen mich, ob sie solche Bälleli haben können, und dann sage ich, kannst du haben», sagt Gueye mit ihrem afrikanischen Akzent und lacht.

Mit Herz und Leidenschaft

Gueye oder auch Néné, wie sie von vielen liebevoll genannt wird, ist kein unbekanntes Gesicht an der Olma. Bereits zum drittenmal versorgt sie hungrige Gäste mit ihren fremdländischen Köstlichkeiten. Aber auch sonst ist die gebürtige Senegalesin viel in der Schweiz mit ihrem Esszelt unterwegs. «Viele Leute kommen zu mir und sagen, sie hätten mich da und dort gesehen und wollen wieder von meinem Essen probieren», strahlt Néné.

Kochen sei ihre grosse Leidenschaft, deshalb sei sie auch Köchin geworden. Mit dem Esszelt habe sie sich ein Stück Selbständigkeit erarbeiten können. Während der Olma-Zeit wird aus dem kleinen Zelt sogar ein zweites Zuhause. Wenn nämlich die Olma spät nachts ihre Tore schliesst, ist für Néné noch lange nicht Feierabend. Bis am Morgen früh bereitet die fleissige Senegalesin das Essen für den nächsten Tag vor. Erst dann legt sie sich mit ihrem Schlafsack auf drei zusammengestellte Holzbänke und macht für ein paar Stunden die Augen zu. «Weisst du, in der Nacht, Leute kommen manchmal rein und wollen kaputt machen. Deshalb schlafe ich hier», sagt Néné etwas traurig. Bereits zweimal sei es dieses Jahr vorgekommen, dass Leute versucht haben, in ihr Zelt zu kommen.

Berge statt endlose Küste

Ursula Gueye wurde 1966 in Senegal geboren. 1993 kam sie mit ihrem Mann in die Schweiz, da dieser hier Arbeit fand. Heute lebt sie allein mit ihren drei Kindern. Sie sei glücklich. Trotzdem, sie sei auf der Suche nach einem Mann, sagt sie augenzwinkernd und lacht.

Dass sie aber auch ohne Mann glücklich ist, sieht man ihr von weitem an. Singend und tanzend kocht sie und hat für jeden Kunden ein freundliches Lächeln auf den Lippen. «Man muss offen sein. Wenn ich ein böses Gesicht mache, sind die Leute auch böse. Und wenn ich lache, denken die Leute, dass ich nett bin», weiss Néné. Deshalb habe sie auch selten Probleme mit anderen Menschen. Überhaupt sei sie in der Schweiz sehr freundlich empfangen worden. Auf die Frage, ob ihr die Schweiz gefalle, sagt sie ohne zu zögern: «Ja klar. Wenn es mir nicht gefallen würde, packe ich meine Koffer und sage tschüss.» Trotzdem bleibe sie eine Afrikanerin, die afrikanische Kleidung trägt und auch privat oft afrikanisch kocht.

Angst vor Buschfeuer

Doch Néné möchte auch weiterhin nicht nur für sich selbst kochen. Sie träumt von einem eigenen Restaurant in der Stadt. Konkrete Pläne lägen bereits vor, aber es sei für sie nicht einfach, etwas zu finden. «Viele kennen mich nicht und wissen nicht, was ich kann», sagt sie und seufzt. «Ich glaube, sie trauen mir nicht. Vielleicht haben sie Angst, dass ich aus dem Restaurant ein Buschfeuer mache», lacht Néné. Aber auch wenn sie oft nicht ernst genommen wird, aufgeben wird sie ihren Traum sicher nicht.





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