Tagblatt Online, 21. Oktober 2011 08:44:00
«Die Familie ist das grösste Glück»
Diana Steger, 39, Bäuerin. (Bild: Ralph Ribi)
Kinder und einen Haushalt managen, melken, silieren, Tiere füttern, den Hofladen führen und den Garten machen: Obwohl ihr die Arbeit nie ausgeht, nimmt sich Diana Steger Zeit für ein Gespräch. Die Obsternte ist vorbei und der Höhepunkt der Herbstferien – die Viehschau – auch. Die Ehefrau und Mutter ist der ruhende Pol auf dem Bauernhof in Unterlitten etwas ausserhalb von Altstätten. Michel (8) und Corinna (10) sitzen anfangs mit am Esstisch, dann entfliehen sie nach draussen: Das Gespräch der Erwachsenen interessiert sie nicht. Fünf Kinder haben Diana und Albert Steger, die beiden Ältesten Ariane (14) und Christel (12) sind gerade bei ihrer Tante in den Herbstferien.
Liebesglück in der Landjugend
Wie Generationen zuvor führen Stegers einen bäuerlichen Familienbetrieb. Diana und Albert lernen sich in der Landjugend kennen, 1996 heiraten sie. Drei Jahre später übernimmt der Sohn den elterlichen Betrieb, den er zuvor gehütet hat, wenn Vater Albert im Sommer z'Alp geht. «Es war ein Generationenwechsel ohne Nebengeräusche», sagt Diana Steger. Änderungen gab es schon: Der noch nicht pensionierte Vater ist von einem Tag auf den andern beim Sohn angestellt.
Das geht bis heute gut: Der Ältere konnte loslassen, der Jüngere bringt dem Lebenswerk seines Vaters Respekt und Wertschätzung entgegen. Grossvater und Grosi ziehen ins Heimetli um, ein symbolischer, aber ein wichtiger Schritt. Er bringt Distanz – und wenn es nur fünf Meter sind.
Drei Generationen leben und arbeiten auf dem Steger-Hof. Streit gibt es nicht, dafür viel gegenseitigen Respekt. Meinungsverschiedenheiten werden ausdiskutiert. Alle beteiligen sich nach Kräften am Tagwerk. Die Kinder helfen beim Melken oder beim Kälber tränken mit. Ariane, die Älteste, beginnt ungefragt mit Bügeln. Grosi Vreni pflegt mit Michel einen kleinen Gemüsegarten. Grossvater Albert, für die Bienen zuständig, hat sich heuer um das Obstablesen gekümmert. «Es ist ein ständiges Geben und Nehmen», sagt Diana Steger.
Des eigenen Glückes Schmiedin
Eine so grosse, gesunde Familie zu haben, ist für die 39-Jährige das grösste Glück. Und das geht nicht so schnell kaputt, wie sie selber erfahren hat. Als ihr Elternhaus in Oberriet abbrennt und gleich beide Grosseltern hintereinander sterben, zerbricht sie nicht an diesem Schicksalsschlag: Stattdessen baut die Möbelschreinerin das Haus zusammen mit ihrem Vater wieder auf.
Diana Steger hat nie eine eigene Wohnung gehabt, als sie auf dem Bauernhof einzieht: «Ich bin da reingewachsen. Eine Bäuerin, die alle Tiere kennt, bin ich aber noch heute nicht.» Dafür arbeitet sie leidenschaftlich mit Holz: Die Kinder haben alle eigene Zimmer bekommen, und am 200 Jahre alten, wettergegerbten Haus gibt es ständig etwas zu renovieren. «Dafür ist jetzt dann im Winter genug Zeit», sagt Diana Steger.
Christoph Zweili
- Artikel empfehlen:










Zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden.
Kommentar schreiben